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      "Der Vetter aus Dingsda" von Eduard Künneke ist einer der wenigen Operetten,
      die auf den Bühnen der Region zu sehen sind. Der von Rahel Thiel inszenierte
      Stoff im Musiktheater im Revier (MiR) hat szenisch allerdings viel Luft nach
      oben.

      Wie zeigt man zeitgenössisch eine Operette aus dem Jahr 1921? Man zerlegt
      sie in ihre Einzelteile, reduziert sie in abstrakte Fragmente, nehme die schönen
      musikalischen Elemente und fertig ist die Neufassung. So ungefähr scheint die
      Gastregisseurin am MiR vorgegangen zu sein, nur leider ohne Gespür für den
      künstlerischen Gesamteindruck.

      Die runde Bühne erscheint wie eine Hotellobby mit modernen Sofas und
      Deckenlampen. In dieser Szenerie befinden sich sehr spezielle Charaktere, die
      jahrelang ein stagnierendes Leben geführt haben und gealtert sind. Sie
      schlucken Pillen ohne Ende, wirken kauzig oder träumen von eher unrealis-
      tischen Dingen. Schon das wirkt ziemlich skurril und durchgeknallt. Teilweise
      reflektieren sie ihr Leben. Es gab offenbar auch mal bessere Zeiten. Die Stim-
      mung auf der Bühne wirkt eher bedrückend bis depressiv, gar nicht wie ein
      Lustspiel. Man muss schon einen sehr speziellen Begriff von Humor haben.

      Die Inszenierung wirkt übertrieben auf die Neuzeit heruntergebrochen. Zu viel
      Leerlauf, eingefrorene Posen, Zeitlupen-Szenen oder merkwürdige Bewegungen
      lassen erhebliche Irritationen zu. Die Kostüme (Elisabeth Vogetseder) sind
      dabei eine eigenwillige Mischung aus den 1920er-Jahren, Phantasieentwürfen
      und diversen Schnitten. Eine klare Linie ist nicht zu erkennen. Sehr blass.

      Heraus kommt, statt einer guten Operette, ein Liederabend mit einem sehr
      guten Orchester unter Leitung von Thomas Rimes. Die kleine Orchestergruppe
      schafft es, jede beliebige Stimmung hervorragend umzusetzen. Auch die
      Solisten Anke Sieloff, Christa Platzer, Joachim Gabriel-Maaß, Gudrun Schade,
      Urban Malmberg, Tobias Glagau, Ingo Schiller und Sebastian Schiller können
      gesanglich überzeugen. Stimmlich herausragend präsentiert sich Cornel Frey
      als Fremder. Alle schönen und bekannten Melodien der Operette sind mit dabei.
      Zwischen den Gesangspartien bremst sich die Inszenierung aber immer wieder
      selbst aus, zum Glück nur mit kurzen, fragmentierten Textpassagen. Kaum wird
      es mal gesanglich flott und hörenswert, bricht die Stimmung danach wieder ins
      Negative. Das positive Tempo wird nicht gehalten. Die Übergänge zwischen den
      Operettenhits wirken wie abstrakte Brüche.

      Diese Inszenierung lässt leider viele Fragen offen. Die Disharmonien zwischen
      den musikalischen Partien und dem Rest treten offen zu Tage.

      Datum: 9. Februar 2018 (Premiere)

      www.musiktheater-im-revier.de