abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Mit "Der stumme Diener" von Harold Pinter zeigt das Grillo Theater in seiner
      Box großes Theater auf ganz kleinem Raum.

      Jan Pröhl als Ben und Stefan Diekmann als Gus stehen als zwielichtige
      Mitarbeiter einer nicht genannten und geheimen Organisation auf der Bühne.
      Sie warten in einem nicht klar definierten Raum auf ihren nächsten Einsatz,
      das nächste Opfer. Es ist eine Geschichte, die fesselt und doch jede Menge
      Humor versprüht. Ben und Gus gehen sich menschlich häufig auf die Nerven.
      Sie lassen es sich durch Blicke, Schweigen oder verbale Ausbrüche spüren.
      Ben ist der routiniertere von beiden, glaubt Gus Dinge vorschreiben zu
      können. Beide warten immer mehr genervt auf den nächsten Auftrag zur
      Tötung einer ihnen noch unbekannten Person. Die Wartezeit in diesem
      fensterlosen Raum wird lang. Belangloses wird zum Thema, doch selbst das
      führt zu Konflikten. Die beiden scheinen gedanklich fern des realen Alltags
      zu sein, so sehr stecken sie in ihrer geheimen Rolle fest.

      Eine besondere Rolle im Stück spielt ein Automat, der ihnen die Aufgaben
      stellt. Es gehen Bestellungen für diverse Leckereien ein. Da opfert man sogar
      sein eigenes Proviant. Es ist herrlich zu sehen, wie dieser Automat die
      beiden Killer voll im Griff hat. Er verunsichert sie und verleitet sie zu internen
      Diskussionen, die ihre überwiegend verhüllten Persönlichkeiten einen Hauch
      offenlegt. Mit dem Automaten müssen sie kommunizieren, was teilweise
      urkomisch ist. Einmal bedrohen sie ihn sogar mit ihren Waffen. Herrlich
      inszeniert und gespielt. Sie wissen nicht, wer oder was dahinter steckt und
      verzweifeln an sich selbst. "Was ist hier los?", heißt es sehr treffend im Text.
      Körpersprache und Mimik sind wunderbar auf die Bühne gebracht.

      Das Großartige an der Inszenierung von Tabea Nora Schattmaier ist, wie sie
      das Nichtgesagte in Szene setzt. Mal blättert man in der Zeitung, schüttelt
      den Kopf, lässt den Blick schweifen, läuft nervös den Raum, zündet
      vergeblich Streichhölzer an, versucht Tee zu kochen oder bohrt in der Nase.
      Oft ist das was wir gegenüber unseren Mitmenschen verschweigen das
      Wesentliche unserer Kommunikation. Das Nichtgesagte bedeutet Macht
      über den anderen zu haben. Jan Pröhl und Stefan Diekmann spielen die
      Klaviatur dieser besonderen Kommunikation hervorragend.

      Datum: 26. April 2019, Premiere

      www.theater-essen.de