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      Mit „Dämonen“ nach einem Roman von Fjodor Dostojewski hat Regisseur
      Hermann Schmidt-Rahmer einen nicht einfachen Stoff auf die Bühne gebracht,
      der szenisch für Diskussionen sorgen wird.

      Ein großer Premierenapplaus hört sich anders an. Eher brav die Leistungen
      einzelner Schauspieler würdigend, fiel der Beifall doch recht kurz und ehrlich
      aus. Es ist ein mutig inszeniertes Stück, besonders im ersten Teil bis zur
      Pause. Eine Spielfläche, ein paar Stühle und zwei Kronleuchter, fertig ist das
      sehr reduzierte Bühnenbild, das man als solches kaum bezeichnen kann. Von
      einem dargestellten russischen Provinznest ist nichts zu erkennen.

      Alles dreht sich um die russische Gesellschaft zur Zarenzeit und der Aufbruch
      der verkrusteten Strukturen. Die Revolution zu einem totalitären Staat mit
      gleichgeschalteten Menschen rückt näher. Entsprechend puristisch werden
      Fragen nach gewissen Begriffen wie Vernunft, Aufklärung, Realität, Glaube,
      Fanatismus, Moral, Freiheit oder Individualität in den Raum gestellt und ziemlich
      philosophisch anmutend versucht zu beantworten. Es wird viel diskutiert, aber
      sich wenig bewegt. Dabei verändert sich die schöngeistige Sprache eher zu
      einer einfachen und deutlichen hin. Das in besseren Kreisen so schicke Franzö-
      sisch muss weichen. Revolutionäre wie Pjotr (Stefan Diekmann) geben klare
      Anweisungen und versuchen eine Massenbewegung ins Leben zu rufen. Wer
      sich in den Weg stellt wird abgeschoben oder es fließt sogar Blut. Skrupel
      haben sie keine, wenn es um ihre Ziele geht. Da sind Falschmeldungen und ge-
      zielt gestreute Gerüchte durchaus willkommen, um die vorhandene Gesellschaft
      in ihrer Grundsubstanz zu zerstören. Szenisch ist im ersten Teil allerdings ganz
      viel Luft nach oben.

      Nach der Pause wird es besser. Es kommt Bewegung in die Bühne. Sie wird
      zur senkrechten Projektionsfläche hoch geklappt. Auf Bildschirmen werden fil-
      misch die Proklamationen der Revolutionäre erklärt. Gehorsam und Gleich-
      schaltung stehen ganz oben, wenn es um die neue Gesellschaftsordnung geht.
      Projektionen lassen auch die Stadt grafisch animiert in Flammen aufgehen. Die
      Revolution gerät aus den Fugen und wird richtig blutig. Pjotr muss am Ende
      noch den Zug erreichen, ganz wie sein Idol Lenin im Jahre 1905, um ins Exil
      flüchten zu müssen. Der Stoff ist also durchaus ein gutes Thema, das aktuell
      auch zu einigen Regionen in der Welt sehr gut passt. Am Stoff liegt es nicht,
      dass der Gesamteindruck recht durchwachsen ist.

      Schauspielerisch sind Stefan Diekman, Stefanie Schönfeld, Thomas Büchel,
      Ingrid Dormann, Gro Swantje Kohlhof, Ines Krug, Alexey Ekimov, Cynthia
      Cosima Erhardt, Sven Seeburg, Axel Holst, Rezo Tschchikwischwili, Stefan
      Migge und Philipp Noack im Rahmen ihrer szenischen Möglichkeiten gut. Es
      sind schräge Rollen, die auch häufig übergeschnappt und surreal wirken, auch
      sprachlich. Die Meinungen werden bei dieser Inszenierung sicher auseinander
      gehen.

      Datum: 29. April 2017, Premiere

      www.schauspiel-essen.de