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      Das 43. ComedyArts Festival in Moers ist erfolgreich zu Ende gegangen. Die
      erste Ausgabe unter der neuen künstlerischen Leitung von Betti Ixkes konnte
      in der Festivalhalle in Moers überzeugen.

      Als die Neue hat man es nie leicht. Man sah es an. Nicht war sie war ge-
      spannt, wie ihr Programm ankam. Selbst am Sonntagabend blickte sie
      noch etwas skeptisch von der Bühne, aber dann verflog die Anspannung,
      denn der letzte Abend bot internationale Comedy vom Feinsten. "Släpstick",
      die fünf Komödianten aus den Niederlanden boten eine große, den Abend
      füllende Show.

      Es war schon eine besondere Art von Humor, der aber sehr gut ankam. Die
      fünf Herren aus dem Nachbarland präsentierten eine Komik, die international
      war. Alle sind ausgezeichnete Musiker, gute Sänger, tolle Humoristen und
      auch echte Bewegungstalente. Sie verkörpern alles das, das gute Comedy
      ausmacht. Wie aufwändig ihre Darbietung war zeigt allein die Tatsache, dass
      sie acht Stunden für ihren Bühnenaufbau benötigten. Danach müssten sie
      noch ihre rund hundert Instrumente stimmen, bevor sie vor das Publikum
      traten. Entsprechend gut kam die Show an. Ständig hatte man mindestens
      ein Instrument im Ohr, und sei es das selbst spielende Klavier, das auch
      manuell zu bedienen war. Egal ob Violinen, Gitarren, Saxophone, Klarinetten,
      Banjos, Mundharmonikas, Posaunen, ein Klavier, Trommeln oder Kombina-
      tionen als Blas- und Streichinstrument. Aus fast allem kann man spannende
      Töne zaubern, selbst aus einer verkürzten Klarinette. Ständig gab es musi-
      kalische Wettstreite auf der Bühne. Wie im echten Leben kamen sich
      Straßenmusiker mal richtig in die Quere. Wie spannt man der Konkurrenz
      das Publikum aus?

      Der Rahmen war bewusst der großen Stummfilmära angelehnt. Sie waren
      nicht nur so gekleidet wie ihre Vorbilder, sie konnten sich auch so bewegen
      und hatten die typischen Filmgags von Chaplin oder Stan & Laurel darauf. Da
      durften Boxhandschuhe, eine Leiter, große Hämmer oder Kirmesrummel
      nicht fehlen. Bei Hau den Lukas, in der Schießbude oder beim Dosenwerfen
      wurde das Publikum animiert mitzumachen. Sie sind große Meister der
      Situationskomik. Interaktion mit den Gästen ist ihnen wichtig. Herrlich wie
      sie den kurzen und sehr amüsanten Stummfilm "Die Frau mit dem Hund"
      musikalisch begleiteten. Laut und krachend können viele Musiker spielen,
      aber leise und sensibel, das ist die wahre Kunst. Das zeigte sich auch bei
      einer ganz besonderen Nummer. Wir alle werden vielleicht mal alt und ge-
      brechlich. Wie fühlt sich ein alter Musiker, der unter Demenz und zitternden
      Händen leidet und mit Rollator die Bühne betritt? Einst haben sie uns allen
      viel Spaß bereitet, als Clown oder Musiker. Ins Rampenlicht sollte man sie
      nicht mehr zerren. Klasse dargeboten!

      Sie lieben die grandiose Stummfilmära der 1920 Jahre und vermischen sie
      doch teils mit neueren Melodien. Queen darf auch mal erklingen. Dabei sind
      immer wieder überraschende Momente dabei. Eine ganze Wand fällt sogar
      um. Mit Violinen kann man auch Tennis spielen. Gemeinsam sind sie eine
      richtig tolle Truppe, die fast immer über der Gürtellinie liegt. Sie zeigen ganz
      hervorragend, dass Comedy auch anders sein kann als Schenkelklopfer oder
      ständige Anspielungen auf Verkehrswege zwischen Mann und Frau.

      Insgesamt war das diesjährige Festival eine runde Sache. Es ist politischer
      geworden, was sicher der etwas verworrenen Zeit geschuldet ist. Betti Ixkes
      darf zufrieden sein. Ihr Publikum war es ebenfalls.

      Datum: 15. September 2019, Festivalhalle Moers

      comedyarts.de