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'ComedyArts' 2020 in Moers
Das "ComedyArts" 2020 trotzte allen Corona-Hindernissen und begeisterte die Besucher mit klasse Humor. Man hatte sich selbst zum Kulturschutzgebiet erkoren, um die bedrohte Rasse Art der Kleinkünstler wieder zum Leben zu erwecken. Viele der Künstler durften endlich wieder mal echte Menschen im Publikum sehen und Applaus hören. Es war künstlerisch ein voller Erfolg für die künstlerische Leiterin Betti Ixkes und ihr Team.

Lange hat man um die Traditionsveranstaltung kämpfen müssen. Neue Corona-Bestimmungen erforderten stets neue Maßnahmen. Leider fiel das sonst so gemütliche Programm auf dem Vorplatz doch zum Opfer. In der Eventhalle präsentierte man dafür drei sogenannte Biotope von jeweils 90 bis 100 Minuten. Zwischendurch wurde die Halle desinfiziert. Auch während der Programme standen die Türen zur Halle weit auf. Auf die gute Belüftung und die Abstände wurde stets geachtet. Dem Vergnügen stand nichts mehr im Wege.

Künstlerisch war es 2020 nicht international wie sonst. Trotzdem gab es hochklassige Künstler zu erleben. Alle durften mit verkürzten Bühnenzeiten einen Appetithappen aus ihren Programmen darbieten. Es wirkte wie ein Schnelldurchlauf des sonst dreitägigen Festivals. Da Festivals aber nicht gestattet sind, entwickelte man ein Konzept für lediglich einen Tag. Es passte sehr gut. Viele gute Künstler reihten sich nacheinander ein, ohne große und ausführliche Anmoderationen. Durch das Programm führten ausgezeichnet und sehr unterhaltsam Waltraut Ehlert und Helmut Sanftenschneider, ein perfekt harmonierendes Duo, das echten Ruhrpott-Humor, Comedy- und Musikeinlagen wohltuend präsentierte.

Wer war dabei? Kevin O'Neal machte als Beatboxer gekonnt den Wellenbrecher, ehe Timor Turga als fast Blinder von seinen lustigen Erlebnissen im Alltag berichtete. Das Duo "Men in back" erhielt nicht nur den NRZ-Preis, sondern zeigte auch, dass der Rücken und die Arme die Wahrnehmung des Betrachters sehr täuschen können. Ihre Bäcker-Vorstellung war sehr gut und absolut kreativ. Mit David Werker folgte ein bekannter Name. Er ist auch schon 36 und war froh, dass die Besucher ihre Blechverkleidung abgelegt hatten. Zuletzt spielte er manchmal notgedrungen in Autokinos. El Mago Masin ist ein eher unkonventioneller Künstler, der seiner Freundin den Kinderwunsch erfüllt und ihr Igelbabys schenkt.

In Biotop 2 machte Anny Hartmann den Anfang. Die meisten Staatshilfen in diesen Zeiten gehen an die, die den besten Lobbyismus betrieben. Die Kultur steht mit einer Mrd. eher ärmlich da, wie auch die Menschen in der Pflege. So verdient ein Fußballprofi der ersten Bundesliga im Durchschnitt etwa 300.000 Euro im Monat, acht mal so viel wie eine Pflegekraft im Jahr. Da stimmen die Relationen nicht. Ill-Young Kim ist koreanischer Abstammung und musste zu Beginn der Corona-Pandemie mit verbreiteter Ausgrenzung leben. Seoul soll aber eine sehr sehenswerte Stadt sein, ähnlich wie NYC. Mit Tan Caglar wurde das Thema Rollstuhlfahren angeschnitten. Die dummen Fragen der Leute und die manchmal unnötige Hilfsbereitschaft nerven ihn nicht selten. Wie haben Rollis eigentlich Sex und darf man betrunken einen Rolli steuern? Armin Nagel gab Tipps, wie man die angesetzten Pfunde des Homeoffice im Büro kreativ wieder losbekommt. Auch für das tolle Duo Mackefisch ist Applaus ein wichtiger Aspekt, doch alleine kann man davon nicht leben. Sie bemerkten zudem, dass die aktuelle Streamingwelle spannende Einblicke in ach so aufgeräumte Wohnzimmer mit Bücherregal im Hintergrund bietet.

Hinein ins Biotop 3. Jens Heinrich Claassen fand heraus, dass Frauen gerne Fieslinge als Männer an ihrer Seite haben. So bekamen nette Liebeslieder einen gar nicht mehr so netten Text verpasst. Mit Tamika Campbell betrat eine US-Amerikanerin aus Bayern die Bühne. Bayern ist landschaftlich schön, wenn nur die Menschen nicht wären. Sie warf auch einen Blick in ihre frühere Heimat, das Entwicklungsland USA. Zurück möchte sie auf gar keinen Fall. Hennes Bender ist in Moers ein alter Vertrauter und immer willkommen. Er verwies auf die schön klingende niederländische Sprache und auf die Tatsache, dass die Franzosen während Corona Wein und Kondome horteten, anstatt Klopapier und Hefe. Kraft und Humor vereinen Juri & Jago in beeindruckender Weise. Ihre Partnerakrobatik war sehr überzeugend. Mit Sybille Ballatschek wurde das Thema Pflege mit seinen Problemen in den Fokus gerückt. Soziale Arbeit ist oft nicht viel wert. Sie bekam für ihren Auftritt der ComedyArts-Preis der Sparkasse Niederrhein überreicht. Thomas Nicolai war zum Abschluss der sehr gute Quoten-Ossi, der zahlreiche Prominente stimmlich imitieren kann, darunter Martin Semmelrogge, Thomas Gottschalk, Klaus Kinski, Udo Lindenberg oder Otto.

Der Dank gilt dem gesamten Team von ComedyArts, dass diese Veranstaltung so reibungslos und extrem unterhaltsam über die Bühne ging. Für manche Künstler war es einer der ersten Auftritte nach dem Lockdown überhaupt. Sie freuten sich über echte Leute im Publikum, auch wenn diese Masken tragen mussten. Sie konnten den Spiegel in der Wohnung gegen eine wahrhafte Bühne tauschen. Alle wirkten sehr spielfreudig und hungrig nach Auftritten. Das diesjährige ComedyArts war wirklich außergewöhnlich, in jeder Hinsicht.

Datum: 20. September 2020

comedyarts.de