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      Guter Humor ist die hohe Kunst der Unterhaltung. Mit der perfekten Komödie
      "Cash - Und ewig rauschen die Gelder" zeigt das Grillo Theater, dass es
      Gesellschaftskritisches auf exzellente Art und Weise humorvoll verpacken
      kann. Regie führte Tobias Materne. Das Buch stammt von Michael Coonley.

      Das Grillo bleibt mit diesem Stück seiner Linie treu, der Gesellschaft genau
      auf die Finger zu schauen. Sozialbetrug lautet das Thema. Immer wieder
      kreisen diverse Fälle durch die Medien. Empörung macht sich anschließend
      öffentlich breit. In Wahrheit sind es jedoch die eigenen Gesetze, die offenbar
      lückenhaft angewendet werden. Für alles Mögliche gibt es finanzielle Unter-
      stützung durch die Kommune oder den Staat. Verwaltungsprozesse und
      Kontrollen sind oft mangelhaft.

      So kommt es, dass Eric Swan (Stefan Diekmann) und Onkel George (Sven
      Seeburg) ein klasse funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt haben.
      Alles beginnt damit, dass Eric arbeitslos wird und den Sozialamts-Scheck
      für einen ehemaligen Untermieter behält. Er erfindet weitere Personen im
      Haus, die alle arbeitslos, alt, krank und immer hilfsbedürftig sind. Die
      jeweiligen Biografien und Leiden hat er sich ausgedacht. Das Amt bietet
      Witwen- und Erwerbslosenrenten sogar an. Es zahlt die Schulmilch für nicht
      vorhandene Kinder, einen fiktiven Umzug nach Australien und grundsätzlich
      die Bestattungsgebühren für fiktiv Verstorbene. Nebenbei vertickt Onkel
      George medizinische Hilfsmittel wie Perücken oder Stützstrümpfe auf
      Trödelmärkten. So kommen 1,2 Mio. Euro pro Jahr zusammen, von denen
      nur die beiden etwas wissen.

      Als Mr. Jenkins (Thomas Büchel) vom Sozialamt mal nach dem Elend im
      Haus sehen möchte, fängt das lukrative Gebilde langsam an zu wanken.
      Eigentlich geht es nur um eine Unterschrift für eine weitere Rente, aber
      Vermieter Eric hat sich ihm gegenüber als der frühere Untermieter ausge-
      geben und kann so als Eric nicht unterschreiben. Der rote Faden nimmt
      wunderbar humorvoll seinen Lauf. Einen wichtigen Part mimt der neue Unter-
      mieter Norman Bassett (Stefan Migge), der zwangsläufig in die kriminellen
      Verstrickungen involviert wird, während Erics Frau Linda (Janina Sachau)
      von der ganzen Sache nichts ahnt.

      So stellt man sich eine moderne und exzellent gespielte Komödie vor!
      Ständig wechselt temporeich die Situation. Wer hat gerade welche Rolle zu
      spielen? Warum kann die Leiche plötzlich wieder laufen? "Haltet die Leiche",
      erschallt es auf der Bühne. Was machen der Riesen-BH und der Damen-
      fummel im Schrank? Linda hat so eine Ahnung. Kann ein tauber Klavier-
      stimmer durch eine Tür von den Lippen ablesen? Es wird kurios. Wieso fällt
      ein arbeitsloser Baumfäller vom Baum herunter und stirbt? Warum ist das
      Sterben so lukrativ? Ein wenig "Dinner for one" ist auch dabei. Man trinkt Tee,
      Sherry und stolpert über Treppenstufen und Fallen, die man sich selbst
      gestellt hat. Der Irrwitz nimmt seinen Lauf. Eric laviert sich sehr geschickt
      durch das immer größer werdende Chaos, ist um Ausreden fast nie verlegen,
      egal ob der Mensch von Sozialamt, der Eheberater, seine Frau oder der
      Bestatter im Haus ist. In der Regel befinden sich mehrere Besucher in den
      Nebenzimmern, die jederzeit die Situation im Wohnzimmer wieder verändern
      können. So entstehen herrliche Dialoge, die thematisch aneinander völlig
      vorbei laufen und dadurch wunderbar zweideutig werden. Klasse Humor auf
      der Bühne! Am Ende weiß Eric keinen Ausweg mehr. Es bedarf allerdings
      nicht mal der Polizei, um ihn dingfest zu machen. Auch dafür hat das Amt
      ebenfalls eine sehr sozialverträgliche Lösung parat.

      Passend zum Stück sind die Kostüme (Natalia Nordheimer) und das
      Bühnenbild (Till Kuhnert) schön gestaltet. Gesungen wird übrigens kein
      einziges Mal. Die rasante und überzeugende Story sowie der Wortwitz
      stehen absolut im Mittelpunkt.

      Nicht nur in Herne beherrscht man gute Komödien, auch das Grillo zeigt mit
      "Cash - Und ewig rauschen die Gelder", wie man extrem unterhaltsam
      einen ernsten Stoff mit Lachgarantie präsentiert, sehr gute Komik inklusive.
      Wer hier keinen Spaß hat, dem ist nicht zu helfen. Kompliment für diese
      großartige Leistung an alle Beteiligten.

      Datum: 2. März 2019, Premiere

      www.theater-essen.de