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Kunstmesse C.A.R. 2020 auf Zollverein
Die contemporary art ruhr, kurz C.A.R., ist eine sehr ansprechende Kunstmesse auf dem Gelände des Welterbe Zollverein. 2020 hatte man ein glückliches Händchen und wählte einen Termin noch kurz vor dem "Kultur-Schockdown". Da es vermutlich die letzte Messe 2020 in NRW war, strömten die Kulturfreunde zahlreich nach Essen. Das Hygienekonzept war hervorragend und sicher organisiert.

Alle Anwesenden waren froh darüber, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Den Kultur-"Schockdown" der Landesregierung NRW konnte auch hier niemand verstehen, weder die nationalen und internationalen Galerien, noch die teilweise anwesenden Künstler oder Besucher, überall Kopfschütteln für so wenig Augenmaß. Die Kreativ- und Kunstszene muss sich leider kopflosen Politikern beugen.

Zu sehen gab es richtig gute Arbeiten, zu denen es auch oft spannende Hintergründe gab. Vor Ort anwesend war Schauspielerin und Tänzerin Kathrin Höhme, die von der Galerie Makowski aus Berlin vertreten wird. Ihre Leidenschaft für die Fotografie setzt sie in eigene Akt-Fotos um. Sie steht dabei vor und hinter der Kamera. Dabei geht es ihr nicht um die inszenierte Position, sondern um die Verschmelzung des Körpers mit der Natur, egal ob im Sommer oder Winter. Ihr neues Projekt sind sehr schöne Jacken mit ihren aufgedruckten Motiven, alles Unikate zum Tragen.

Eine Art Kopfkino im Licht ist die Arbeit "Ins Auge des Sturms" von Sabine Reibeholz und Marc von Reth. Inmitten eines dichten Vorhangs aus weißen Strippen kann man via Kopfhörer gedanklich auf die Reise gehen. Bereits vor zehn Jahren entstand die Installation "pandemic nightmare" von Irene Anton. Ein leeres Bett mit übergroßen Viren steht im Schwarzlicht. Schon damals gab es in Asien Pandemien. Für Irene Anton war es eine Frage der Zeit, bis eine auch mal nach Europa schwappt, verursacht durch Flugverkehr oder sonstige Kontakte.

Frenzy Höhne kreiert gerne ganze Tafelrunden mit Porzellan, die Anstoß zu Diskussionen geben sollen. Ob Teller, Tassen oder Kannen, alle tragen eine schlaue Lebensweisheit. Dabei verwendet sie gerne sehr altes Porzellan mit Goldrand. Der japanische Künstler Takashi Sonoda hat eine Reise in den Schwarzwald genutzt, um sich inspirieren zu lassen. Er fand weiße Farnblätter ohne Chlorophyll oder verwandelte sich in Norwegen in eine weiße Birke. Der "Weiße Wald" kann überall sein.

Die Galerie ART-ECK n Solingen vertritt u. a. den Bananensprayer Thomas Baumgärtel. Er hat sich neuen Kreationen zum Thema Corona gewidmet. Aus Leipzig, einer Hochburg für Sprayerkunst, war die Galerie Artae mit dem Kunstsprayer Peter Freund angereist. Er hat auf kleinen Leinwänden diverse Buchstaben gestaltet. Sein Atelier hat er im Westwerk. Er ist in Leipzig sehr gut bekannt.

Der Fotokünstler Frank Hohmann ist vielen Duisburgern gut bekannt. Die großformatigen und sehr schönen Fotoausstellungen am Leinpfad in Duisburg stammen von ihm. Seine in Essen gezeigten Arbeiten sind in mehreren Schichten aufgebaut und lassen den Betrachter Fragen stellen. Eigentlich kennt man seine abgebildeten Orte, doch stutzt man wegen gewisser Details und Farbgebungen. Er wird durch die Galerie Klose aus Essen vertreten. Sehr technisch arbeiten Ingrid und Knut Reinhardt. Mit selbst gebauten Robotern erstellen sie plastische Wandkunst. Die Maschinen werden so programmiert, dass sie an festgelegten Stellen Acryltopfen platzieren, die nach und nach zu Stalaktiten werden. Interessant waren ebenfalls die Gipsreliefs von Dieter List.

Die Galerie Bengelsträter aus Düsseldorf war mit Arbeiten von Folkert Rasch vor Ort. Sie zeigen weite Küstenlandschaften mit Meerblick, echte Sehnsuchtsorte. Die iranische Künstlerin Niloufar Mehboudi präsentierte gemalte Ausschnitte aus dem ehemaligen Park des königlichen Sommerhauses in Shiraz, das heute ein Museum ist. Aktionskunst zeigte Julia Priess in Halle 2. Ihre Arbeit "Zwillinge" dokumentiert auf zwei Bildschirmen, wie sie sich Ton als Maske vor ihr Gesicht schmiert, alles nach einer gewissen Choreografie. Dabei stellt sich die Frage, ob die beiden Zwillinge miteinander oder mit dem Betrachter kommunizieren.

Die C.A.R. bot viele verschiedene Positionen und zahlreiche schöne Arbeiten und viele spannende Gespräche. Leider nicht vor Ort gesehen wurde Armin Laschet, der sich hier mal über ein optimal funktionierendes Hygienekonzept hätte überzeugen können.

Laufzeit: 29. Oktober bis 1. November 2020

contemporaryartruhr.de