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Schauspiel 'Bunny' im Schauspiel Duisburg
Mit der Stück „Bunny“ stellt das Schauspiel Duisburg einen rasanten und sehr guten Roadmovie auf die Bühne, der lokalen Kolorit mit der Phase des Erwachsenwerdens geschickt kombiniert.

Das Stück wurde von Jack Thorne 2011 verfasst. Ursprünglich spielte es in Luton. Da sich Duisburg und Luton recht ähnlich sein sollen, gab es das OK für die Ruhrgebietsstadt. Auf der Bühne im Opernfoyer steht die 19jährige Emma Stratmann. Sie gehört zum jungen Ensemble des Hauses, dem Spieltrieb. In diversen Rollen konnte sie bereits überzeugen. Dieses Stück ist ihr erster Monolog, den sie über 90 Minuten bravurös meistert. Regie führte Matthias Matz.

Schon die Bühne im ehrwürdig glänzenden Opernfoyer der 1950er Jahre ist auffällig. Maximal 20 Leute im Publikum blicken auf Heuballen, eine alte Tiefkühltruhe, Wagenräder, Luftballons und Tarnnetze. Nach dem Steigerlied kriecht Katie aus der Tiefe der Truhe, schön warm verpackt in einem weißen Hasenkostüm und schwarzen Haaren. Sie ist 18 Jahre alt und weiß mit ihrem Leben nicht viel anzufangen. Ihr Freund ist ein Schwarzer, wodurch auch das Thema Alltagsrassismus beleuchtet wird. Als ausländisch aussehender Bürger ist man täglich damit konfrontiert. Sie ist aufmüpfig und stellt Dinge an, die ihre Eltern verzweifeln lassen. Mal zerkratzt sie das Auto der Eltern, mal packt sie frisches Mett in die weiße Wäsche der Mutter oder ruft im Namen ihres Vaters bei einer Telefonsex-Hotline an. Nicht nur die Rechnung treibt den Eltern die Tränen in die Augen. Selbst ihrer verhassten Lehrerin entlockt sie Tränen der Verzweiflung. Auch sexuell ist sie ganz vorne dabei, wenn es um diverse Praktiken geht. Sie hat reichlich Erfahrung mit männlichen Erektionen, von denen sie ganz offen spricht. Dabei ist sich stets bewusst, dass sie anders ist als viele ihrer Alterskollegen, was ihr aber scheinbar egal ist.

Als ihr Freund auf der Straße in eine Schlägerei verwickelt wird, geht es los. Duisburg wird zum Schauplatz einer wilden Verfolgung. Die arabisch-afrikanisch-deutsche Gruppe macht sich in einem Auto auf den Weg, den Kontrahenten ihres Freundes zur Rede zu stellen. Katie ist mittendrin und beobachtet das Treiben von innen heraus, für sie ganz ohne Gewalt. Es geht durch die kleinen Straßen von Alt-Hamborn und natürlich durch Marxloh. Hier gelten andere Gesetze im Umgang. Duisburg wird immer wieder typisiert, aber vorwiegend das „böse Duisburg“, wie es im Stück genannt wird. Die Stadt kommt nicht wirklich gut weg. „Duisburg, die Stadt, die immer schläft“, heißt es an einer Stelle. Was wäre aber gewesen, wenn die Briten nicht Duisburg mit 20.000 Tonnen Bomben in Schutt und Asche gelegt hätten, sondern Bonn? Dann wäre Duisburg Bundeshauptstadt und das Theater Sitz des Bundespräsidenten geworden. Mit solchen Gedanken überrascht das Stück hier und da. Es spielt sehr geschickt mit der Vergangenheit und der Gegenwart, ohne zu irritieren.

Der Roadmovie hinterlässt bei Katie mit der Zeit mehr und mehr Spuren. Sie reflektiert ihr bisher oft rücksichtsloses und egoistisches Verhalten. Musste sie das alles ihren Eltern antun und so sehr rebellieren? Wie sexuell freizügig darf sie sich verhalten? Als sie einem ihrer Mitstreiter den Wunsch nicht abschlagen kann, ihr Höschen auszuziehen und ihre Brust zu zeigen, erwacht sie langsam. Zum ersten und einzigen Mal hört sie von ihm das Wort „Bunny“. So möchte sie definitiv nicht genannt werden und fühlt sich als „verängstigtes, kleines Mädchen“. Sie spürt, dass etwas schief läuft und wird langsam reifer. Konflikte lassen sich ihrer Meinung nach nicht mit Gewalt lösen. Sie definiert das Leben, beinahe schon philosophisch, durch das Auftreten von Überraschung und Spannung.

So kommt es, dass sie am Ende ihre schwarzen Haare abstreift. Das war sie mal. Hervor kommt eine neue, grüne Haarpracht. Die Wandlung nimmt ihren Lauf, mit offenem Ende. Unbewusst kommen einem dabei musikalische Assoziationen in den Sinn. Aus dem Draufgängertypus aus „Born to be wild“ wird eine Art Billie Eilish, die als nachdenkliche, junge Erwachsene damit beginnt, ihr Leben positiv zu gestalten. „Ich bin“, heißt es am Ende mit Abgang. Wie das aussieht wird die Zukunft zeigen.

Es bleibt zu hoffen, dass dieses sehr gut ausgewählte und absolut überzeugend dargebotene Stück als Wiederaufnahme in der neuen Spielzeit auf dem Programmzettel steht. Man kann fast damit rechnen.

Datum: 23. Juni 2020

www.duisburg.de