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Schauspiel 'Bunbury – Ernst ist das Leben' im Grillo Theater in Essen
Das Grillo Theater ist wieder für alle da, auch die noch nicht geimpften BesucherInnen. Mit „Bunbury – Ernst ist das Leben“ präsentiert man ein klasse Stück von Oscar Wilde mit herrlich britischem Humor, sehr kurzweilig inszeniert und dargeboten. Die deutsche Fassung stammt von Elfriede Jelinek

Das Leben kann doch so schön sein, wenn man nur Zeit und Muße hat, es mit bewusster Langeweile zu füllen. Bunbury nennt man einen solchen Lebenswandel mit etwas Geld, Aktien und einem Landsitz. Ab und zu macht man den jungen Frauen schöne Augen, verdreht ihnen die Köpfe und erfindet sich selbst doppelt, um sich gewisse Freiheiten zu gönnen. So ein in Wirklichkeit nicht existierender Bruder sehr praktisch. Für Jack (Stefan Migge) ist das ein gewisser Ernst. Bei Algernon (Dennis Bodenbinder) ist es Bunbury, ein chronisch kranker Mensch, um den er sich angeblich kümmert. Ansonsten lässt man sich zu Hause um Schnittchen mit Gurken servieren. Selbst die jungen Damen in den Familien langweilen sich und wollen doch nichts im Leben verpassen. So sind Gwendolen (Lene Dax) und Cecily (Beatrix Strobel) äußerst empfänglich für dandyhafte Annäherungen der männlich Gelangweilten, Zickenkrieg inklusive. Miss Prism (Janina Sachau) fühlt sich der Rolle der Erzieherin der 18jährigen Cecily wohl, ohne ihre eigene Geschichte zu offenbaren. Merriman (Silvia Weiskopf) fügt sich dagegen als brave Dienerin und der Pastor ist dankbar für jede Art der Abwechslung, Zölibat hin oder her. Über alles wacht Lady Bracknell (Ines Krug) als schrullige Zeremonienführerin. Die wahren Familienverhältnisse und Biografien werden gegen Ende offen und ehrlich. Das Spiel findet seine Fügung in der Liebe und alle sind glücklich. Wie kann es anders sein. Das 1895 verfasste Stück ist ein Spiegelbild der damaligen, englischen Gesellschaft und ihren Auswüchsen. Man beneidet und bemitleidet die Figuren zugleich.

Die Art der Inszenierung ist klasse gelungen. Nach und nach baut sich das wundervolle Bühnenbild von Aurel Lenfert auf. Aus einer großen Ledercouch mit eleganten Vorhängen wird ein florales Erlebnis mit übergroßen Pflanzen in knalligen Farben, die dabei überhaupt nicht kitschig wirken. Der Garten Eden wird Realität. Ebenso gelungen sind die Kostüme von Marie-Luise Lichtenthal. Von halbnackt-lüsternd, knallig-elegant, dandyhaft, bis hin zum jungen Bunny mit übergroßer Schleife im Haar ist alles extrem gelungen entworfen. Natürlich hat auch Regisseurin Susanne Lietzow ganze Arbeit geleistet. Für die musikalische Untermalung sorgt sehr dezent und gut der Komponist Gilbert Handler. Da es im Ensemble einige gute Stimmen gibt, wird viel gesungen, von „My way“, über „Everybody love somebody“ bis hin zu „Love is in the air“, alles sehr feinsinnig interpretiert. Natürlich geht es auch da öfter mal um die Liebe.

Die Oberflächlichkeit einer gewissen Oberschicht mit unübersehbarer Schlichtheit und verlogenen Lebensweisen wird sehr gut herausgestellt. Da trifft das junge Bunny den Möchtegern-Edelmann. Die strenge Zeremonienmeisterin lässt die Etikette durchaus mal fallen, sofern die künftige Ehe mit finanziellen Polstern und Häusern ausgestattet ist. Der Sünden-Pool darf da nicht fehlen, in dem man sehr bildhaft badet und wie ein begossener Pudel im knallig roten Badeanzug nass herauskommt. Inszenierung ist alles und doch nichts, denn die Wahrheiten kommen alle ans Tageslicht. Irgendwie hat das Stück nicht wenige Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft. Der Typ mit den Markenklamotten im dunklen SUV kommt einem ebenso in den Sinn wie PolitikerInnen, die ihre Biografie gerne mal schöner darstellen möchten. Selbst kleine Instagramer mit Weichzeichner via Smartphone im Gesicht lassen sich erkennen. Der schöne oberflächliche Schein schimmert mehr als durch.

Das Stück ist aktuell nicht nur live für alle im Theater zu erleben, sondern auch höchst vergnüglich dargestellt. Selbst die relativ neuen Ensemblemitglieder Dennis Bodenbinder, Lene Dax und noch sehr junge Beatrix Strobel begeistern durch ihre spielfreudige und emotionale Art. Sie sind eine Bereicherung für das Haus. Wegen der Pandemie hatten sie noch nicht so häufig die Möglichkeit, sich durch gute Rollen auszuzeichnen. Hier können sie es. Alt und Neu harmonieren hervorragend.

Datum: 12. Juni 2021

www.theater-essen.de