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Buch 'Dance or die' aus dem Emons Verlag
Die Loveparade ist sicherlich Duisburgs düsteres Ereignis der letzten 20 Jahre. Was eine bunte und lustige Party junger Menschen werden sollte, endete in einer schlimmen Tragödie. Jessika Westen war 2010 als Reporterin des WDR live vor Ort. Sie hat das Thema zehn Jahre danach in einem ausgezeichnet geschriebenen Roman zusammengefasst. Er heißt "Dance or die" und ist im Emons Verlag erschienen.

Dieser Roman ist kein typischer. Schon das Thema berührt noch zu sehr, um einen Haken dahinter zu setzen. 21 Tote lassen sich aus der Geschichte nicht tilgen. Sie könnten noch am Leben sein. Doch wie schreibt man einen Roman über ein reales Thema, ohne es zu sehr zu verfremden? Es ist vorzüglich gelungen. Entstanden ist eine Mischung aus einer Dokumentation, einem Krimi und eben einem Roman. Es liest sich wirklich, als wäre man noch einmal live dabei. Man spürt die Vorfreude auf eine schöne Party, wie auch die Ängste um das eigene Leben oder das der anderen im Tunnel vor der Rampe.

Das Buch hat viele reale Ansatzpunkte. Das fängt bei den Figuren an. Jessika Westen hat seit der Loveparade regen Kontakt zu Menschen, die die Katastrophe vor Ort erlebt haben oder dort sogar Angehörige verloren haben. Mit ihnen pflegt sie einen regen Austausch. Katty ist das 18-jährige Partygirl, das mit Freunden und ihrem heimlichen Schwarm Tim. Im wahren Leben heißt sie Jessica Ploenes. Sie hat damals schwer verletzt überlebt. René ist im Buch der Rettungssanitäter. 2010 war es Vasco Engelhardt, der als Sanitäter die Tragödie erleben musste. Schließlich hat Jessika Westen sich in der Person als Emma im Buch ebenfalls eingebracht, natürlich als Reporterin. Mit den wahren Protagonisten im Hintergrund entstand so ein Roman, der sich klasse aufbaut und der einfach fesselt. Man ist sich auf den ersten Seiten schon bewusst, dass die Schilderungen ab dem mittleren Teil dramatisch werden würden. Der Bogen ist hervorragend gespannt.

Trotz aller realer Ereignisse im Buch ist es keine strafrechtrechtliche Aufarbeitung der Geschehnisse, obwohl die Autorin auch in juristischen Quellen recherchierte. Beschrieben wird allerdings sehr deutlich, wie groß die organisatorischen Defizite der Veranstalter, der Stadt und anderer Beteiligter waren. Immer wieder äußern die Figuren schon früh Bedenken, ob das alles so optimal geplant ist. Ihre Ängste steigern sich schließlich, bis hin zur Katastrophe, in Panik und Ohnmacht. Zwischendurch sind immer wieder die echten Funksprüche von Polizei und Feuerwehr platziert. Die Idee, das schwierige Thema aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten ist klasse umgesetzt. Den Opfern wird so wieder eine Stimme gegeben.

Der Titel ist übrigens traurige Realsatire. Während der Loveparade lagen überall auf dem Gelände Flyer mit dem Schriftzug "Dance or die" massenweise herum. Es war das inoffizielle Motto der Veranstaltung.

Jessika Westen hat Jahre dafür gebraucht, um sich zu entscheiden, ob sie dieses Buch tatsächlich veröffentlichen möchte, denn ist wirklich ein harter Stoff. Ihr Mann war es schließlich, der sie überzeugte. Dieses Buch musste wirklich veröffentlicht werden, denn es ist klasse recherchiert und toll geschrieben. Selbst die grafische Gestaltung könnte nicht besser sein.

"Dance or die", Jessika Westen, Emons Verlag, Klappenbroschur, 13,5 × 20,5 cm, 320 Seiten, ISBN 978-3-7408-0887-7

Datum: 5. Juli 2020

www.emons-verlag.com