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Buch '100 Jahre Knie-Elefanten'
Ein wirklich außergewöhnlich und kreativ gestaltetes Buch ist "100 Jahre Knie-Elefanten" aus dem Verlag Scheidegger & Spiess. Nicht nur der Inhalt ist beeindruckend recherchiert, kritisch und spannend zusammengetragen.

Seit gut hundert Jahren ist Knie international der Inbegriff des Schweizer Nationalzirkus. Insbesondere für die Elefantenhaltung ist der Zirkus bekannt. Knie ohne die grauen Riesen ist nicht denkbar. Ihre lange Geschichte ist stets umfassend dokumentiert worden. Man zog durch die Welt. Oftmals wurden die Dickhäuter in Eisenbahnwaggons verladen und transportiert. 1963 wurde bei Knie das erste Elefantenbaby der Schweiz geboren. Es gibt unzählige Geschichten und Anekdoten rund um die Elefantenhaltung. Sogar der Stammbaum der Knie-Elefanten ist Teil des Buches.

Heute haben die Tiere in einem 6.500 qm großen stationären Elefantenpark in Rapperswil. Man verpflichtet sich den modernen Anforderungen zeitgemäßer Elefantenhaltung. Elefanten haben ein sehr komplexes Sozialwesen. Ein einfaches Winterquartier, wie es früher üblich war, gibt es nicht mehr. Das Buch beleuchtet selbstkritisch die vormals falsche Haltung und Dressur. Elefanten spielten Gitarre, Schach, toter Mann oder man benutze sie Partner zum Tauziehen. In der Manege setze man ihnen lustige Kopfbedeckungen auf, verkleidete sie und ließ sie Männchen machen. Je größer die Gruppe war, desto bedeutsamer war die Dressur. Sie balancierten sogar ungesichert auf Hochseiten und marschierten als Werbefiguren mitten durch die Stadt. Wildfänge waren lange an der Tagesordnung. Teilweise wurde man mit der Aggressivität der Tiere nicht fertig. Sie griffen Personal und Besucher an, wurden unkontrollierbar. Dann gab man sie an Zoos ab oder musste sie euthanasieren. Bis heute sterben Elefanten an noch zu erforschenden Krankheiten wie Herpes oder Tuberkulose. Jungbullen sind ein Problem der Unterbringung. Auch wenn man ihren sozialen Anforderungen heute eher gerecht wird als früher, so ist die Elefantenhaltung noch immer nicht einfach. Haltungsfehler in der Kindheit lassen sich später nur schwer korrigieren.

Zahlreiche Fotos, angefangen von damals beliebten Völkerschauen bis hin zu einer heute moderner Haltung, gehen einher mit sehr guten Texten, die deutlich kritisch zurückblicken und nach Möglichkeiten für Zirkusunternehmen und Zoos suchen, die Haltungsbedingungen weiter zu verbessern, denn fest steht, dass der natürliche Lebensraum der Tiere weiter schrumpfen wird.

Ein paar Worte noch zur Gestaltung. Bereits die Außenhaut des Buches erinnert an Elefantenhaut. Die Seiten sind wie gefaltete Schlaufen gebunden, die innen sogar blau und rot eingefärbt sind. Die Farbgebung setzt sich im Buch fort. Spannend und klar sind die Beschreibungen der Motive angeordnet. Sehr clever ist ebenfalls die Typografie mit großen Seitenzahlen. Zwischen den alten Fotos findet man gerne mal ein historisches Werbeplakat. Über eine App kann man auf einigen Seiten weitere Infos zum Buch abrufen. Man hat sich viel einfallen lassen.

"100 Jahre Knie-Elefanten" Scheidegger & Spiess, 266 Seiten, 170 farbige Abbildungen, broschiert, 17 x 23 cm, ISBN 978-3-85881-677-1

Datum: 12. Dezember 2020

www.scheidegger-spiess.ch