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Buch 'Aenne Biermann - Fotografin'
Mit der Publikation "Aenne Biermann - Fotografin" präsentiert Scheidegger & Spiess einen kreativen Kopf, der einen großartigen Blick für die neue Avantgarde hatte, ohne eine fotografische Ausbildung absolviert zu haben, eine spannende Autodidaktin mit ganz eigenen Positionen.

Aenne Biermann (1898-1933) war eine junge Frau vom Niederrhein, die früh einen wohlhabenden Kaufmann aus Gera heiratete und zwei Kinder bekam. Diese waren auch der Grund für ihre ersten Fotos. Sie kaufte sich eine Fotoausrüstung und schoss Amateurfotos. Aufgrund der finanziellen Unabhängigkeit der Familie konnte sie dabei schnell einen eigenen Stil entwickeln, ohne kommerzielle Zwänge der Werbefotografie.

Den Ersten Weltkrieg schüttelte sie ab und wandte sich der Avantgarde zu. Alltagsmotive formte sie zu Kunst. Damals waren exotische Pflanzen wie Kakteen oder Gummibäume in Privaträumen beliebte Dekorationen. Sie nahm sie diese aus ihrem Zusammenhang im Raum und setzte ihnen künstlerischen Blick auf. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, was man sieht. Selbst Würfelbecher, ein Spiegelei in der Pfanne, Obstschalen, eine Klaviertastatur, Eiszapfen vor einem Fenster, Nüsse in einer Papiertüte, nackte Schaufensterpuppen mit Spiegelung oder Schatten werfende Eier waren Themen, die ihren scharfen Blick für das außergewöhnliche Motiv bewiesen.

Gerne fotografierte sie Kinder. Zu sehen sind zwei Kinderhände auf einem Schreibheft, ihre nackte Tochter am Strand oder ihre Gesichter. Dabei wirken ihre Portraits oft nachdenklich und ernst, aber auch hoffnungsvoll mit dem Blick in die Ferne. Dafür hatte sie ein gutes Händchen. Mit dabei sind auch Selbstportraits, die eine hübsche junge Frau zeigen, die fröhlich wirkt und sich in Szene setzen kann.

Ein weiteres Thema sind Mineralien. Im richtigen Licht fotografierte sie Kristalle und andere Steine für wissenschaftliche Zwecke. Ihren berühmten Kollegen wie Albert Renger-Patzsch, László Moholny-Nagy oder Karl Blossfeld folgte sie stilistisch. Man druckte ihre Fotos häufig im Printmedien ab. Sie hatte Einzelausstellungen und wichtige Ausstellungsbeteiligungen. Auch ohne eine Ausbildung schwang sie sich selbstbewusst in die erste Reihe der damaligen Fotoavantgarde, experimentierte mit Überblendungen, besonderen Belichtungen oder anderen fotografischen Techniken.

Leider verstarb sie 1933 mit nur 34 Jahren an einer nicht zu heilenden Krankheit. Ihre jüdische Familie immigrierte später nach Palästina. Leider ging in Großteil ihres Archivs auf dem Weg ins Exil verloren. Die Arbeiten in heute bedeutenden Museumsbeständen, wie im Museum Folkwang in Essen oder in der Pinakothek der Moderne in München, sind deshalb besonders wertvoll.

"Aenne Biermann - Fotografin", Scheidegger & Spiess, 184 Seiten, 68 farbige und 35 SW-Abbildungen, broschiert, 21 x 28 cm, ISBN 978-3-85881-673-3

Datum: 12. Dezember 2020

www.scheidegger-spiess.ch