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      „Bruckhausen – Beispiel oder Machtspiel?“ lautet der Titel der interessanten
      Fotoausstellung in der Kulturkirche Liebfrauen in Duisburg. Thema ist die
      Geschichte des Stadtteils, sowie der Abriss zahlreicher Häuser für die Gestal-
      tung des Grüngürtels.

      Zu Zeiten der Industrialisierung um 1900 bis zum Ersten Weltkrieg war
      Bruckhausen alles andere als ein Schmuddelviertel. Das zeigen die vergrößerten
      Postkarten an der Wand. Es war ein gutbürgerlicher Stadtteil mit schöner
      Architektur und jeder Menge Leben. Meist lebten hier die Familien der Thyssen-
      Arbeiter hinter schmucken Fassaden. Bis in die 1970er-Jahre verfielen zahl-
      reiche Häuser, insbesondere die sich im Besitz von Thyssen befanden. Der
      Konzern hatte daran kein Interesse mehr. Einen Wall gegen diverse Immissio-
      nen des Werkes direkt nebenan wollte man nicht errichten. Trotz aller Umwelt-
      belastung hatten sich hier in Bruckhausen viele vorwiegend türkische Familien
      heimisch eingerichtet und ein Haus gekauft. Viel Geld wurde in die Renovier-
      ungen gesteckt und Privatbesitz sehr gepflegt. Die soziale Struktur im Stadtteil
      stimmte.

      Am 3. August 2006 wurde öffentlich, dass die Stadt Duisburg plante, den halben
      Stadtteil abzureißen, um einen neuen Grüngürtel als Puffer zum Werk zu errich-
      ten. Die Häuser durften per städtischem Erlass nicht weiter renoviert werden.
      Aller Protest der betroffenen Bürger konnte die Pläne der Stadt nicht stoppen.
      So fielen neben den zahlreichen gepflegten Häuser mit oft schöner klassizisti-
      scher Fassade auch viele alte Bäume. Bruckhausen war grün, es brauchte
      keinen Grüngürtel. Heute hat sich die türkische Bevölkerung vielfach zurückge-
      zogen und sich anderswo im Norden der Stadt angesiedelt. Von den kargen
      Abfindungen der Stadt können sie sich heute kein Haus mehr leisten. Der Rest
      von Bruckhausen wird heute überwiegend von Rumänen und Bulgaren bewohnt.

      Zusammengestellt wurde die eher anklagende Ausstellung von Pressler-Events,
      der Geschichtswerkstatt Duisburg-Nord und dem Ruhr Museum in Essen. Zu
      sehen sind Fotos von Bernd Langmack (1990-2015), Prof. Jörg Boström (1970er-
      Jahre), Katrin Gems (2008-2017), Frank Napierala (2011-2017) sowie historische
      Ansichten der Zeitzeugenbörse. Man entdeckt Bruckhausen als einen lebendi-
      gen Stadtteil mit seinen Menschen und einen ziemlich toten Grüngürtel, für
      dessen Pflege Thyssen verantwortlich zeichnet. Es sind interessante Portraits
      einiger Bruckhauser und ihrer Lebensverhältnisse, Impressionen eines intakten
      Lebensraums, der durch die Stadt Duisburg durch immensen Druck immer
      weiter ausgehöhlt wurde. Infowände erklären den Wandel des Stadtteils
      Bruckhausen.

      Ein ganz großer Dank gilt dem Ruhr Museum auf der Zeche Zollverein in Essen.
      Ohne die professionelle Hilfe von Theo Grütter und seinem tollen Team hätte es
      diese Ausstellung in Duisburg nicht geben können, inkl. der notwendigen
      Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit für die Stadt Duisburg, als Veranstalter
      der Duisburger Akzente, in deren Rahmen die Ausstellung gezeigt wird.

      Im Rahmenprogramm diskutiert Theo Grütter, der Leiter des Ruhr Museum, am
      21. März um 19.30 Uhr mit einigen wichtigen Beteiligten auf dem Podium in der
      Ausstellung. Der Eintritt ist frei. Am 14. März um 19.30 Uhr werden Filmbeiträge
      zum Abriss gezeigt und am 24. März um 19.30 Uhr kann man live Protestsongs
      lauschen.

      täglich außer montags: 13-18 Uhr, Eintritt frei, König-Heinrich-Platz 3,
      47251 Duisburg

      Laufzeit: 12. März bis 18. April 2017