abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      In der sehr sehenswerten Ausstellung "Humboldt dankt, Adenauer dementiert"
      zeigt das Historische Archiv Krupp in vier Räumen der Villa Hügel die briefliche
      Kommunikation der Stahldynastie Krupp mit vielen bekannten und heute eher
      unbekannten Persönlichkeiten von 1800 bis 1992.

      Rund 10 km Regale und rund 5 Mio. Blätter Papier umfasst das Historische
      Archiv Krupp. Ein wirklich kleiner Bruchteil sind die 44 Briefe wichtiger
      Menschen, die nun an jeweils eigenen Lesetischen nachzulesen sind. Neben
      dem originalen Schriftstück werden leserlich die Inhalte wiedergegeben und
      auch übersetzt, falls nötig. Teilweise sind es schwierig zu lesende Handschrif-
      ten, wie die von Willy Brandt. Eine wilde Signatur von Herbert von Karajan findet
      man neben einem Brief Ludwig Mies van der Rohe. Er sollte eine Verwaltung auf
      dem Hügel bauen, die 1963 am Geld gescheitert ist. Die Zeilen lassen oft private
      Rückschlüsse der Absender zu und man kann auch zwischen den Zeilen
      einiges lesen. Ein Brief von Ferdinand Porsche verrät, dass Alfried Krupp lieber
      selber Porsche fuhr, als sich chauffieren zu lassen. Er holte die neusten Modelle
      auch persönlich in Stuttgart ab.

      Es sind gesellschaftliche Bereiche wie Politik, Wissenschaft, Kirche, Kunst und
      Kultur. Walter Ulbricht spricht 1961, kurz vor dem Mauerbau, zynisch von der
      Wiedervereinigung. Krupp lieferte eine spezielle Druckkapsel für Jacque Piccard,
      der 1960 11.000 m in die Tiefsee tauchte. Cosima Wagner bedankt sich für eine
      Spende für die Bayreuther Festspiele. Thomas Alva Edison schickte mit Ver-
      zögerung ein Wiedergabe- und Aufnahmegerät an Krupp, Friedrich Krupp und
      Franz Haniel stritten 1819 über eine angeblich fehlerhafte Lieferung. Albert Speer
      wünscht Produktionsverlagerungen wichtiger Kriegsgüter wegen Luftschlägen,
      Man findet einen Dankesbrief von Alexander von Humboldt von 1851. Kaiser
      Wilhelm II. gibt gute Ratschläge an die damals 16-jährige Alleinerbin Bertha
      Krupp, die nun den Konzern führen musste, ein Höhepunkt der Ausstellung.
      Albert Schweitzer bedankt sich für eine Glocke für sein Spital und Axel Springer
      für ein Gedicht bei Alfried von Bohlen und Halbach. Konrad Adenauer dementiert
      sehr nachdrücklich diverse Äußerungen.

      Weitere Persönlichkeiten sind z.B. Otto von Bismarck, Engelbert Humperdinck,
      Richard von Weizsäcker, der Yacht- und Flugzeugkonstrukteur Max Oertz,
      Li Hong-Zhang, Walter Gropius, Gustav Stresemann, der britischer Ingenieur
      Henry Bessemer oder die Äbtissin Maria Kunigunde. Kein Schriftverkehr ist mit
      Hitler erhalten. Durch Kriegsauslagerungen, die Nürnberger Prozesse und die
      Zeit der Besatzungszeit in der Villa Hügel ist viel Archivmaterial verschwunden.
      Einige interessante Briefe interessanter Persönlichkeiten ließen sich aus
      konservatorischen Gründen leider nicht ausstellen. Es ist auch eine Reise durch
      die ungewöhnlichsten Grußformeln und Ausdrucksweisen auf sehr unterschied-
      lichem Briefpapier.

      Die Ausstellung ist auch Teil des 50-jährigen Jubiläums der Alfried Krupp von
      Bohlen und Halbach-Stiftung 2017, die am 30. Juli 1967 durch den Erbverzicht
      von Arndt von Bohlen und Halbach ins Leben gerufen wurde.

      Zur Ausstellung ist ein sehr schöner Katalog im Verlag Philip von Zabern
      erschienen, der in der Villa Hügel erhältlich ist.

      Laufzeit: 25. März bis 8. Oktober 2017

      www.villahuegel.de