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'Zwei wie Bonnie und Clyde' im Parkbanktheater an der Niebuhrg in Oberhausen
Das Parkbank-Theater an der Niebuhrg ist ein echter Lichtblick in einem sonst so kulturarmen Sommer. So wird man zum Fluchtpunkt für kleine Privattheater aus Essen. Mit "Zwei wie Bonnie und Clyde denn sie wissen nicht, wo sie sind!!!" von Sabine Misiorny und Tom Müller zeigte das Kleine Theater Essen in Oberhausen eine sehr humorvolle Kriminalkomödie.

Die wahren Bonnie und Clyde überfielen nicht nur eine Bank, waren bereits zu Lebzeiten Helden, und starben schließlich im hundertfachen Kugelhagel der Polizei. Ganz so martialisch geht es hier nicht zu. Es fällt nicht einmal ein Schuss. Trotzdem sind Chantalle (Nadine Mannel) und Manni (Benjamin Haase) nicht unbedingt gesetzestreu unterwegs. Beide wollen schnell reich werden und dann ab nach "Los Vegas", wie Chantalle es so gerne formuliert. Zunächst müssen sie es ihren Idolen erst einmal erfolgreich nachmachen. Eine Bank zu überfallen ist doch gar nicht so schwierig. Man zieht sich eine Strumpfhose über den Kopf, droht mit einer Waffe und lässt sich das Geld in eine Tüte packen. Anschließend steigt man in den vor der Bank geparkten Fluchtwagen mit laufendem Motor und entkommt. Es ist offensichtlich ein leichtes Kinderspiel, wenn hier nicht tollpatschige Gauner-Amateure am Werk wären.

Chantalle ist für Manni eigentlich ausschließlich für die Schmiere zuständig. Mehr lässt ihr geistiges Potential auch kaum zu. Man muss ihr jeden Schritt des Handelns genau erklären, damit sie einfachste Handlungen erledigt. Manni kommt sich schlau vor und hat scheinbar das Heft des Handelns in der Hand. Er schmiedet die kriminellen Pläne, die alle nur perfekt funktionieren können, ja müssen. Wäre da nicht seine Partnerin, die den ersten Überfall dummerweise vereitelt. Sie greift in der Bank die falsche Plastiktüte, die mit den Einkäufen einer Kundin und nicht die mit den 100.000 Euro. Als Chantalle auf der Flucht die Übersicht über die Straßenkarte verliert, landen sie in einem dunklen Nirgendwo, einem alten Schuhlager. Doch sie geben nicht auf. Die Sucht nach Reichtum wird jedenfalls immer wieder durch Pech oder eigene Unzulänglichkeiten jäh gebremst. Selbst ein glücklicher Zufall bringt sie nicht auf die Glücksstraße.

Es ist schön zu sehen, wie zwei völlig verschiedene Charaktere eigentlich gar nicht so unähnlich sind, denn beide sehen im Hintergrund auch ihren eigenen Vorteil. Zwei Gauner untereinander ziehen so lange an einem Strang, bis das Ziel erreicht ist. Danach sollten sie sich besser nicht mehr vertrauen. So ähnlich verhält es sich auch bei Chantalle und Manni. Das eigene Ego verhagelt ihnen sogar selber die Flucht. Mal fehlt es an Benzin oder mal an einem Telefon. So ein verlassenes Schuhlager kann sehr reichhaltig und überraschend an Entdeckungen sein.

Schauspielerisch gab es nichts zu meckern. Die beiden Akteure sind lupenreine Amateure mit völlig anderen Berufen, die regelmäßig im Kleinen Theater Essen auf der Bühne stehen. Sie machten es sehr gut. Man merkte, dass sie dieses Stück besonders mögen und auch gut zusammen agierten. Eine kleine Panne oder ein Hänger wurden klasse improvisiert, wie bei Profis. Selbst die aktuelle Schwangerschaft von Nadine Mannel oder die Corona-Kontaktregeln ließen sich zwischendurch einbauen.

Das Kleine Theater Essen ist übrigens das älteste Privattheater Deutschlands mit maximal 44 Zuschauerplätzen. Hier leidet man sehr unter der Kulturkrise in Zeiten von Corona. Bis circa Januar ist man noch in der Lage das Theater am Leben zu erhalten. Danach muss man hoffen, dass sich die allgemeine Situation verbessert. Man ist 2021 dringend auf Zuschauer angewiesen, möchte aber mit ersten Stücken bereits im September starten.

www.kleines-theater-essen.de
niebuhrg.de