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      Kriegsführung war immer eine brutale Angelegenheit. Das Grillo Theater
      zeigt in seiner Box mit dem Stück "Am Boden" wie menschenverachtend
      heutzutage das vermeintlich Böse bekämpft wird. Sabine Osthoff spielt in
      diesem Ein-Frau-Stück großartig eine US-Kampfpilotin. Regie führte Felicia
      Daniel.

      Sie ist eine Heldin, ja sogar eine Göttin, der der Himmel quasi alleine gehört.
      Sie liebt es sich als einsame Wölfin im Blau des Himmels zu bewegen.
      Ihre F16 nennt sie liebvoll "Tiger". Das Böse wird präzise ausgelöscht und
      sie ist ganz schnell wieder weg. Kommt sie von ihrem lebensgefährlichen
      Einsatz gesund zurück, trifft man sich mit den Kollegen auf der Basis und
      gönnt sich mal ein Bierchen. Ansonsten lebt sie eine Fernbeziehung mit Eric.
      Sie ist glücklich und stolz, doch schon das erste Wochenende mit Eric
      hatte Folgen. Der Schwangerschaftstest verfärbt sich rosa. Es ist das Ende
      der Karriere einer Kampfpilotin.

      Die nächsten drei Jahre vergehen für sie eher kitschig, Familienleben mit
      Mann und Tochter Sam. Sie scheint sich an die rosa Spielzeugpferdchen
      ihrer Tochter zu gewöhnen. Rosa Kampfflugzeuge hat Fisher Prize leider
      nicht im Angebot. Dann aber möchte sie wieder in den Himmel, in ihr
      geliebtes Blau. Eric hat nichts dagegen, ist stolz auf seine Frau. Doch es
      kommt alles anders, als sie denkt. Die Kriegsführung hat sich geändert. Nun
      setzt man sie in eine klimatisierte Kabine mit grauen Bildschirmen, mitten
      in der Wüste bei Las Vegas. Fliegen wird sie nur noch per Joy-Stick, wie in
      einem Videospiel. Aus der einsamen Wölfin wird ein Teamplayer, stets mit
      diversen Vorgesetzten im Ohr. Ihre Aktionen setzt ihre neue Drohne in 1,2
      Sekunden überall auf der Erde um. Elf Millionen Dollar ist dieses unbemannte
      Flugobjekt wert. Größer als ihre F16, kann eine Drohne 40 Stunden in der
      Luft bleiben. Eine Heldin der Lüfte sieht für sie anders aus. Der schwierige
      Spagat zwischen Kriegsführung und Familienleben bringt sie mehr und mehr
      ins Grübeln. Beides gemeinsam lässt sich nicht in Einklang bringen.

      Als ein Top-Terrorist ausgelöscht werden soll, erwacht ihr Killerinstinkt erneut.
      Sie will ihm das Geschoss per Fernsteuerung um die Ohren jagen. Das
      Familienleben aber hat unterbewusst positive Spuren bei ihr hinterlassen. Als
      ihr großer Moment gekommen ist, zeigt sie Mut und gibt ihrem Leben eine
      konsequente und klare Wendung. Sie hat verstanden, dass alle Schuldigen
      zur Rechenschaft gezogen werden.

      Es ist ein intensiv und sehr gut gespieltes Stück, sehr kurzweilige 85 Minuten.
      Man ist der Box ganz nah im modernen Krieg dabei, inklusive grafischer
      Videoeinspielungen, passendem Licht und dezenten Hintergrundgeräuschen.

      Datum: 23. Februar 2019, Premiere

      www.theater-essen.de