abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Die Berliner Philharmoniker spielten im Rahmen der Ruhrresidenz in der restlos
      ausverkauften Philharmonie Essen ein meisterhaftes Konzert. Unter der Leitung
      von Sir Simon Rattle standen Werke von György Ligerti, Richard Wagner und
      die Sinfonie Nr. 6a Moll von Gustav Mahler auf dem Programm. Es war ein ganz
      großer Abend in Essen.

      Schon der Anblick dieses rund 100 Köpfe starken philharmonischen Orchesters
      war beeindruckend. Über 30 Violinen, 8 Kontrabässe und 8 Schlagwerke können
      die wenigsten Orchester bieten. Die Bühne der Philharmonie reichte mit ihren
      Extra-Podesten bis kurz vor die erste Reihe der Zuhörer. Tosender Beifall
      brandete auf, als Sir Simon Rattle den Saal betrat, sich kurz verbeugte und mit
      "Atmosphères" von György Ligeti an seinem Pult loslegte. Wie extrem fein und
      leise so ein großes Orchester die Töne quasi getragen sezieren kann, das war
      schon ein besonderer erster Eindruck. Die Töne flimmerten leise durch den Saal.
      Wirklich eindrucksvoll! Das Stück war schon als Filmmusik auch in Stanley
      Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" zu hören. Live in Essen war es eine
      feine Vorspeise für das Hauptprogramm, das nach der Pause kommen sollte.
      Zuvor aber stand noch das Vorspiel zum 1. Aufzug von Wagners "Lohengrin" auf
      dem Programm. Wagner ganz ohne Text kann so schön sein. Auch hier wurden
      die leisen Partien ganz sensibel herausgearbeitet, während die temperament-
      vollen einen weiteren Eindruck von Wagners kompositorischer Fülle gaben. Das
      musikalische Volumen und Virtuosität der Einzelmusiker waren enorm. Zusam-
      men harmonierten sie als ein ganz außergewöhnlicher Klangkörper, egal welche
      musikalische Stimmung dargeboten wurde.

      Nach der Pause erklang Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 6 a-Moll, auch die
      "Tragische" genannt. Ganz großartig, wie die Berliner Philharmoniker die
      Stimmungswechsel des Werkes interpretierten. Die Vergeblichkeit allen
      menschlichen Strebens ist das Thema. Das Scheitern ist vorprogrammiert und
      somit wird dieses Werk durch zahlreiche Moll-Tonlagen geprägt. Es ist das
      einzige dieser Art in Mahlers musikalischem Lebenswerk. Dabei werden die
      wunderschönen Moll-Klänge hier und da durch Dur-Passagen ersetzt, die aber
      abrupt in Moll enden. Der harte Wechsel wurde oft sehr gut eingeleitet. Dazu
      trugen auch die phantastischen acht Kontrabässe bei. Die Kontrabassisten
      mussten zeitweise körperliche Schwerstarbeit leisten. Das Umschalten auf
      Dramatik, die Zerrissenheit des Themas, das emotional Flehende oder die
      Verzweiflung wurden musikalisch brillant dargeboten, inklusive Kuhglocke und
      dreifachem Hammerschlag.

      Sir Simon Rattle präsentierte sich als Künstlerischer Leiter der Berliner
      Philharmoniker sehr sympathisch. Er zeigte keine theatralisch-extrovertierten
      Showelemente eines Stardirigenten. Jeder Musiker wurde während des Konzerts
      jeweils ganz exakt von ihm angesprochen. Am Ende dankte er den herausragen-
      den Mitgliedern seines Orchesters persönlich. Ohne seine Musiker würde durch
      sein Dirigieren kein Ton erklingen. Dessen war er sich in Essen sehr bewusst.

      Datum: 26. Februar 2017 (Philharmonie Essen)

      www.philharmonie-essen.de
      www.berliner-philharmoniker.de