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Film 'Berlin Alexanderplatz' im Kunstrasen-Kino im Landschaftspark Duisburg-Nord
Mit dem preisgekrönten Film "Berlin Alexanderplatz" feierte der Landschaftspark Duisburg-Nord eine NRW-Premiere im Rahmen der Kunstrasen-Veranstaltungen. Auch Regisseur Burhan Qurbani sowie Hauptdarsteller Welket Bungué, Jella Haase und Albrecht Schuch waren anwesend. Sie stellten sich im Anschluss den Fragen der Zuschauer.

Es ist großer Roman, dem sich Regisseur Burhan Qurbani angenommen hat, um ihn mit seiner Version in die Gegenwart zu übertragen. Dabei konnte er nur gewinnen oder verlieren. Ein Mittelding gab es nicht. Man kann es an dieser Stelle vorwegnehmen. Er hat einen großartiges Filmepos in fünf Teilen geschaffen, das einen in drei Stunden in den Sitz drückt und fesselt. Man spürt regelrecht den Pulsschlag und den Atem der Figuren auf der Leinwand, musikalisch hervorragend unterstützt.

Bildgewaltig und mit sehr intensiv-emotionalen Szenen kommt dieser Film daher. Die Kamera spielt gerne mit nahen Einstellungen, die Mimik, Augenbewegungen und das Getriebensein stark ausdrücken. Mal ist es ein verruchter Club, mal ein einsamer Wald oder eine simple Privatwohnung, in der die Träume von einem normalen, soliden Leben im Raum herum schwirren. Sie wissen es alle, dass wer mit dem Teufel einen Pakt eingeht, von ihm so leicht nicht mehr los kommt.

Francis (Welket Bungué) ist ein afrikanischer Flüchtling, der auf der Flucht seine Freundin ertrinken lassen muss, um selbst zu überleben. Er möchte in der Folge ein guter Mensch werden. Ihm zu Hilfe steht Reinhold (Albrecht Schuch), der mit Drogen und Einbrüchen sein Geld macht, im Leben aber eigentlich genauso das ehrliche Glück sucht wie Mieze (Jella Haase). Sie ist eine Edelprostituierte, die sich zwar mit hohen Gagen ihren Job schön redet, allerdings ebenfalls nicht glücklich ist. Obwohl Francis finanziell irgendwann weit aufgestiegen ist, schwankt er immer wieder zwischen Drogen und Prostitution. Als es tatsächlich einen Ausweg gibt, wird dieser sofort wieder versperrt.

Neben all der Emotionalität werden zwischendurch in ruhigen Dialogen wichtige Fragen angesprochen. Was ist gut und was ist böse? Kann man in einer bösen Welt eigentlich ein guter Mensch sein, wenn man nicht untergehen möchte? Die Hauptfiguren kommen immer wieder ganz automatisch in Kontakt mit dem Drogen- und Sex-Milieu, mit Gewalt, Angst und der Tatsache, dass es in diesen Bereichen der Gesellschaft so gut wie keine echte Freundschaft gibt. Francis und Mieze bilden da eine große Ausnahme, die aber auch ihr jähes Ende findet, mit einem rührenden und hoffnungsvollen Epilog.

Wie Burhan Qurbani im Nachgespräch betonte, war der Film eine gute Teamarbeit. Jeder brachte in Diskussionen seine Ideen ein. Egoisten haben für ihn am Set nichts verloren, sie gehen unter. Man spürt, dass während der Dreharbeiten eine gute und harmonische Stimmung geherrscht haben muss, denn die schauspielerischen Leistungen sind großartig. Gebrochene Figuren zu mimen ist immer ein spannender Glücksfall für SchauspielerInnen. Die Rolle des Reinhard ist so eine Paraderolle, die Albrecht Schuch hervorragend interpretiert, entwicklungsgestört, zu jeder Tat bereit und sexsüchtig. Auch die anderen Hauptdarsteller beweisen, dass sie sich gründlich auf ihre Rollen vorbereitet haben.

Am Ende muss man noch das tolle Licht, die passenden Kostüme und die klasse Kameraführung erwähnen. Aus 345 Minuten Rohschnitt wurden schließlich 183 Minuten Spielzeit. Alle Beteiligten haben zusammen ein filmisches Werk erschaffen, das sich ausgezeichnet sehen lassen kann.

Am 16. Juli wird der Film in allen deutschen Kinos zu sehen sein.

Datum: 14. Juli 2020, Landschaftspark Duisburg-Nord, Gießhalle

www.berlinalexanderplatz-derfilm.de
kunstrasen-im-park.de