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      Im Schauspielhaus Bochum stellte der sehr gut aufgelegte Frank Goosen
      sein neues Buch "The Beatles" vor. Das sehr unterhaltsame Werk handelt
      über seine bisher heimliche Leidenschaft für die Band aus Liverpool, die er
      seit 1977 sehr schätzt. Jetzt war es Zeit für eine Beschreibung seiner
      Verbundenheit mit den Pilzköpfen.

      Alles begann, als Goosen damals mal recherchierte, welche Musik zu
      seiner Geburt angesagt war. Nummer 1 war am Tag der Geburt (31.5.1966)
      "100 Mann und ein Befehl" von Freddie Quinn. Schlimmer ging es kaum.
      Sein Opa mochte diesen Song aber ganz sicher, war noch immer durch den
      Zweiten Weltkrieg geprägt. Doch 25 Tage später standen die Beatles ganz
      oben. Der kleine Frank wusste als zu spät geborener davon noch nichts.
      1977 war "Sergeant Pepper" seine erste Musikkassette von den Beatles,
      die ihn wachrüttelte. Die Familie hörte ansonsten schreckliche Schlager.
      Beat, das war nun seine Musik. Sein Vater, der als Elektriker in einem
      Plattenladen einen Auftrag erledigte, wollte 1979 dafür kein Geld, sondern
      ein paar Beatles-LPs für seinen Sohn, das Blaue, das Rote Album und
      Abbey Road. Das Feuer für die Beatles war endgültig geweckt. In der Schule
      wurde gefachsimpelt, obwohl die Beatles damals schon längst nicht mehr
      auftraten. Man versuchte die Texte zu verstehen, schließlich begann man
      damals mit Latein. Die erste Phantomfreundin nannte er Michelle, ganz
      nach den Beatles, um bei Klassenkameraden anzugeben. Eigentlich war ja
      Regina sein heimlicher Schwarm, aber die wurde von einem Jungen aus der
      Oberstufe gut beschützt.

      Sein Lieblings-Beatle war John Lennon, weil der einen Hang zur Radikalität
      pflegte, den Goosen nie hatte. Für ihn brachten die Beatles Farbe in die
      Welt. Plötzlich stürmte ein gelbes Unterseeboot die Musikwelt. Frank
      Goosen wurde zum Nerd, der alles aufsog, was Beatles hieß. Als Konfir-
      mand konnte er sich dann endlich eine Schneider-Kompaktanlage leisten.
      Die Nachricht vom Tod John Lennons am 8.12.1980 erreichte ihn durch zwei
      Mädels in der Schule. Sondersendungen in den Medien gab es damals nicht.
      Zwei Sätze im Radio, kurz vor dem Wetter, vermeldeten den Tod einer
      Musiklegende.

      Natürlich war er am Dakota Building in New York, wo John erschossen
      wurde, ohne sich jedoch den absurden Touristenritualen dort anzuschließen.
      Erst letztes Jahr lud er seine Frau und seine beiden Söhne (jetzt 16 und
      18 Jahre) nach Liverpool ein, um eine Fan-Tour per Taxi zu erleben, auf den
      Spuren der Beatles. Viereinhalb Stunden ging es mit Steve durch Liverpool.
      Paul begegnete John und seiner Band 1957 erstmals im Hof der St. Peters
      Church. Von diesem Konzert soll es sogar einen akustischen Mitschnitt auf
      YouTube geben. Der originale Cavern Club, in dem die Beatles auftraten,
      wurde in der 1970ern tatsächlich abgerissen. Die heutige Kopie ist eine
      schlechte Musikkneipe mit noch schlechteren Musikern. Das Viertel wird
      stark vermarktet und ist quasi die Schinkenstraße mit teils unsäglichem
      Beatles-Flair. Das Strawberryfield gab es damals wirklich und die Penny
      Lane muss man als Beatles-Fan auch gesehen haben. Einen Barber gibt's
      immer noch, Fotos der Beatles inklusive. Diese Tour hinterließ bei Goosen
      eher gemischte Gefühle, musste aber sein.

      Wie es bei einer literarischen Veranstaltung üblich ist, gab es anschließend
      noch eine Fragerunde. Seiner Meinung musste es zur Trennung kommen.
      Zwei Alphatiere wie John und Paul waren zuviel, so wie damals auch bei
      Goosen, der mit Jochen Malmsheimer mal mit dem "Tresenlesen" unter-       wegs war. Das ging auch nicht lange gut. Die Beatles haben immerhin
      sieben Jahre durchgehalten. Goosen sieht diese Zeit als Gesamtkunstwerk
      und ist froh, dass es keine Widervereinigung gab. Die Beatles lassen ihn bis
      heute nicht los. Er kennt zahlreiche Geschichten, Anekdoten und Rand-
      figuren um die Band herum, die rund 300 Songs sowieso. Frank Goosen
      kann man als wahren Experten rund um die Beatles bezeichnen.

      Es war eine sehr vergnügliche Abendunterhaltung eines Autors, der regional
      echten Kultstatus genießt. Das Bochumer Schauspielhaus, für ihn Heimat-
      gefilde, war genau der richtige Ort, um sein neues Buch vorzustellen.

      Datum: 13. Februar 2020, Schauspielhaus Bochum

      www.kiwi-verlag.de (zum Buch)
      frankgoosen.de
      www.schauspielhausbochum.de