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      Niedeckens BAP und Köln, das ist eine Kombination, wie sie besser nicht sein
      könnte. Im mit 4.000 Besuchern ausverkauften Palladium gab die Band zum
      Abschluss der "Lebenslänglich - Jubiläumstour 1976 - 2016" noch drei ganz
      feine Extrakonzerte im "Wohnzimmer", wie Wolfgang Niedecken es schön
      formulierte. Nach dreieinhalb Stunden Musik und rund 30 der beliebtesten Songs
      war es dann bewiesen, dass BAP-Konzerte tatsächlich auch mal enden können.

      Es war wie das gespannte Warten auf das Christkind am Heiligabend. Als
      Wolfgang Niedecken und seine phantastisch aufspielende Band pünktlich die
      Bühne betraten, konnte die vorgezogene Bescherung beginnen. Die Fans hatten
      ihre Helden live und in Bestform sehr spielfreudig vor Augen. Die Krippe hatte er
      voll gepackt mit den Hits aus 18 Studioalben, Songs aus 40 Jahren Bandge-
      schichte, alle klasse musikalisch verpackt. Schönere Geschenke konnte es
      nicht geben. Das schönte Geschenk für ihn und alle die ihn mögen war aller-
      dings, dass er sich selbst nach 67 Konzerten auf der Tour noch immer bester
      Laune und Kondition erfreute. Das hätte 2011 alles vorbei sein können, wäre da
      nicht sein medizinischer Professor gewesen, der neben der halben Familie
      ebenfalls im Saal war. "Dä Herrjott meint et joot met mir" stimmte er selbstver-
      ständlich und sehr dankbar an. Es konnte also nichts passieren.

      Ein großes Lob geht natürlich an die Band mit Bassist Werner Kopal (seit 1996),
      Keyboarder Michael Nass (seit 1999), Multiinstrumentalistin Anne de Wolff
      (seit 2006), Gitarrist Ulrich Rode und Schlagzeuger Sönke Reich (beide seit
      2014). Es war wirklich ein Genuss ihnen zu lauschen, jedem Ton. Natürlich
      stand der geniale Ulrich Rode als eher extrovertierter Gitarrist automatisch
      etwas stärker im Mittelpunkt, aber die anderen mussten sich nicht verstecken.
      Sie waren bestens eingespielt und präsentieren Highlights wie "Jupp" oder
      "Amerika" auf eine wunderbare Art und Weise, echte Gänsehautsongs. Den
      Jupp traf Niedecken damals im Chlodwig Eck in der Südstadt. Sofort war die
      Idee für den Song geboren. Es waren lange Nächte im Chlodwig Eck. Niedecken
      hatte damals einen Hund namens "Blondi", ein reinrassiger Straßenköter und
      kein treudeutscher Schäferhund. Unterhaltsame Geschichten von früher gab es
      viele zu erzählen.

      Musikalisch war fast alles dabei, was man sich als Fan erträumen konnte. Die
      kamen auch aus Berlin oder Luxemburg extra nach Köln. Im Vorfeld konnten
      man sich einige Songs vom neuen Album wünschen. "Alles relativ", "Die
      Ballade vom Vollkasko-Desperado" waren ebenso dabei wie "Absurdistan", der
      Versuch einer Erklärung zur konfusen Weltlage, "Dausende vun Liebesleeder",
      die 1001. Liebeserklärung an die Heimatstadt Köln, oder "Vision vun Europa",
      das vertonte Flüchtlingsdrama, welches er in Nordafrika geschrieben hat. Rein
      akustisch gab es auch was auf die Ohren. "Jraaduss", "Paar Daach fröher", sein
      Schutzengellied, und "Du kanns zaubere" waren eine klasse Kombination, bei
      der man gut mal die Augen schließen konnte. Mit "Alexandra, nit nur du",
      "Rita" (seiner Schwester gewidmet) und "Anna" waren natürlich auch die Mädels
      mit an Bord.

      Textsicher war das Publikum in Köln natürlich, auch wenn viele Fans von außer-
      halb da waren. "Ne schöne Jrooß", "Aff un zo", "Fortsetzung folgt" oder
      "Nix wie bessher" waren wunderschöne Klassiker, die genauso wenig fehlen
      durften wie "Frau, ich freu mich" oder "Verdamp lang her". Am 28. November
      1979 war die Albumpremiere des ersten Albums. Da war Schlagzeuger Sönke
      Reich noch nicht auf der Welt. Ein Appell, der niemals verstummen darf, waren
      "Arsch huh, Zäng ussenander" von 1992 und "Kristallnaach". Der rechte Mob
      mit seinen verdrehten Tatsachen und stumpfsinnigen Parolen ist heute umso
      mehr im Auge zu behalten. Vielleicht auch als Folge des spürbaren Rassismus
      in Deutschland wurde in Berlin, während des Konzerts, unendliches Leid verübt.
      Einige Fans im Saal waren über ihr Handy informiert und sehr betroffen. Ein
      Konzertabbruch wäre aber auch keine wirklich gute Lösung gewesen.

      Neben sehr treuen Fans, die zum Teil schon 125 BAP-Konzerte in ihrem Leben
      genossen haben, standen auch zwei musikalische Gäste mit auf der Bühne.
      Julian Dawson ist ein ewig langer Freund von Wolfgang Niedecken. Gemeinsam
      sang man herrlich "Like a Rolling Stone" von Bob Dylan. Ohne diesen Song
      hätte es BAP nicht gegeben und dieses Konzert sowieso nicht. Auch Thees
      Uhlmann hatte den Weg nach Köln gefunden. Mit ihm ging es nach
      "Absurdistan".

      Am Ende warf Wolfgang Niedecken seinen Fans noch ein gut gelauntes
      "Maat et joot" zu und stellte hoffnungsvoll die Frage in den Raum, ob er das
      halbe Jahrhundert Bandgeschichte wohl voll machen kann. Gewillt ist er mit
      seinen gerade mal 65 Lenzen auf jeden Fall. "Immer mal auf die Sollbruchstellen
      achten", so sein Rezept. Zu hoffen wäre es für alle, noch viele Jahre solch
      geniale Konzerte mit ihm zu erleben.

      Datum: 19. Dezember 2016 (Palladium Köln)

      www.semmel.de
      www.bap.de