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Online-Stream des Musical 'Avenue Q' im MiR in Gelsenkirchen
Mit „Avenue Q“ bringt das Musiktheter im Revier (MiR) in Gelsenkirchen ein sehr sehenswertes Musical auf die Bühne, das via Online-Stream zu den Zuschauern kommt. Es geht und das reale, harte Leben, um Wünsche, Träume und die sehnsüchtige Liebe. Das Musical von Robert Lopez, Jeff Marx (Musik und Gesangstexte) und Jeff Whitty (Buch) wurde von Carsten Kirchmeier exzellent und teilweise hinreißend inszeniert, mit menschlichen Darstellern und Puppen. Die musikalische Leitung hat Heribert Feckler.

Diese Straße ist wirklich kein gutes Pflaster für ein gutes Leben. Die Ärmsten der Ärmsten lassen sich in New York hier nieder. Geld haben sie kaum, sind auf der Suche nach der Bestimmung ihres Lebens, nach Anerkennung und Zuneigung. Was für eine Mischung hat sich hier angesiedelt. Ex-Kinderstar Macaulay Culkin als Hausmeister, die „Hobbypsychologin“ Christmas Eve mit Partner Brian, Lucy die Schlampe, die WG mit Rod und Nicky sowie das Trekkie Monster und die sich nach einem Partner fürs Leben sehende Lehrerin Kate Monster sind eine bunte Mischung. Da kommt der frischgebackene Ex-Student Princeton gerade recht. Eine Wohnung ist noch frei und Kate Monster sieht ihre Chance kommen. Doch das Spiel des Lebens sowie das Spiel der Liebe ist für alle nicht so einfach, eher höchst kompliziert.

Eines ist klar, die Welt braucht solche Typen am Abgrund, damit sich die besser fühlen, die ein besseres Leben gewohnt sind. Der Zeigefinger braucht eine Richtung, nach unten. Der Sinn des Lebens ist hier unten nur schwer zu finden, so groß sind die Probleme. Brian (Sebastian Schiller) ist ein verhinderter Komiker ohne Geschick für dieses Fach. Christmas Eve wartet auf männliche Kunden, doch die kommen nie wieder. Ist Rod nun schwul oder doch nicht? Nicky ist es auf jeden Fall. Bleibt Kevin allein zu Hause? Das Trekkie Monster flüchtet vor seinen Sorgen ins Internet, ist den Pornos verfallen, wie fast alle. Wann hat nur Kate Monster ihr nächstes Date? Herzzerreißend gespielt von der hervorragenden Charlotte Katzer ist das Werben um Princeton (Rod Nicolai Schwab). Man hat wirklich Mitleid mit ihr, möchte sie knuddeln, denn Schlampe Lucy weiß, wie man mit Männern umgeht und wie man sich Konkurrentinnen vom Leib hält. Aus dem romantischen, mitternächtlichen Treffen auf dem Empire State Building wird jedenfalls nichts. Er hat ihre Einladung per Liebesbrief nie erhalten. Sie alle jagen ihren Träumen hinterher, wissen oft nur nicht wie sie es anstellen sollen. Zum Glück kommen ab und an die Bullshitbären ins Spiel. Ihre hilfreichen Tipps führen durchaus auch mal zum Höhepunkt, denn schlüpfrig geht es optisch und verbal schon zu. Gewisse Dinge werden deutlich angesprochen. Das ist die Sesamstraße für Aufgeklärte, nicht die für Kinder. Mit Puppen lässt sich so eine heiße Szene mit offenem Fenster sehr humorvoll darstellen.

Insgesamt ist der Mix aus rein menschlichen Darstellern und von Menschen klasse geführten und gesungenen Puppen sehr interessant. Es ist das Design der Original-Puppen von Rick Lyons bei der Uraufführung 2003. Die Ähnlichkeiten zu Figuren der Sesamstraße sind unübersehbar, wie auch beim Bühnenbild. Die ironisch überzeichnete Version des wahren Lebens wird sehr deutlich. Jede große Metropole hat mindestens ein solches Viertel zu bieten. Hier in der kleinen Avenue Q spürt man die Verzweiflung und die Leere im Herzen der Bewohner. Man möchte Kate beinahe in den Arm nehmen und sie trösten. Ein Zurück in jüngere Jahre gibt es nicht. Das ist ihnen allen klar. Nach dem College beginnt der Ernst des Lebens und selbst der Ruhm als Kinderstar in „Kevin allein zu Haus“ ist matt geworden. Der Sesamstraße stülpt man sehr kurzweilig den Umhang der brutalen Lebenswirklichkeit aus Perspektiv- und Arbeitslosigkeit über.

Schließlich kommen alle zur ihrer persönlichen Erkenntnis und stellen sich ihren Problemen. Sie helfen sich gegenseitig, gehen Kompromisse ein und finden ihr kleines Glück. Es macht richtig Spaß dieser ironisch dargestellten und doch realen Welt am Rande des Abgrunds zuzusehen, denn die Funken der Hoffnung schimmern am Horizont. Darstellerisch, musikalisch und szenisch gibt es nichts zu meckern. Auch die Kostüme sind absolut sehenswert, regen zum Schmunzeln an. Bleibt zu hoffen, dass dieses wunderbare Musical eines Tages auch mal live vor Publikum zu sehen sein wird.

Datum: 23. Mai 2021

www.musiktheater-im-revier.de