abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Der Tscheche Jirí Kylián (geb. 1947 in Prag) gehört zu den Choreographen, die
      die europäische Tanzwelt mit geprägt haben. Nun präsentiert er gemeinsam mit
      dem Aalto-Ballett in Essen vier insgesamt sehr schöne Choreografien und einen
      sehr amüsanten Filmausschnitt. "Archipel", so nennt sich der Ballettabend, ist
      sehenswert und vielseitig.

      Jirí Kylián ist kein Freund es klassischen Balletts. Seine Ideen, die Grenz-
      bereiche der Seele tänzerisch zu erforschen, sind sehr interessant gestaltet.
      Hier und da gibt es schon mal einen kurzen Spitzentanz, aber der Rest trägt
      seine stets kreative Handschrift. Dabei geht er unheimlich vielfältig zu Werke.
      Für den Abend im Aalto Theater hat er eine die Tänzerinnen und Tänzer ziem-
      lich fordernde Auswahl getroffen, was die hervorragende Compagnie auch klasse
      umsetzt. Ji?í Kylián zieht dabei alle Fäden des modernen Balletts. Die tänzer-
      ische Qualität lässt einen gebannt die Aufführung verfolgen.

      Mit "Wings of wax", uraufgeführt 1997 in Den Haag, beginnt der Abend. Unter
      einem auf dem Kopf hängenden Baum und einem kreisenden Scheinwerfer
      werden Anklänge an die griechische Mythologie deutlich. Die Schwingen richten
      im übertragenen Sinne den Fokus auf den Wunsch nach Freiheit und die
      Schwerkraft außer Kraft zu setzen. Die acht Tänzer tanzen zu Klängen von
      Heinrich I. F. Biber, John Cage und Philip Glass. Ji?í Kylián bearbeitet hier und
      da auch politische Themen und greift gerne literarische Stoffe als Inspirations-
      quelle auf. Die Choreografie "27'52" mit Musik von Dirk Haubrich, spielt sehr
      avantgardistisch mit Teilen von Vorhängen der Einbeziehung des Bühnen-
      bodens. Er wird als flexibler Untergrund genutzt, der abgezogen wird oder zum
      Einwickeln von Tänzern dient. Alles ist sehr kreativ und schwierig für die Tänzer
      umzusetzen. Sie meistern es vorzüglich.

      Nach der Pause geht es ebenso hochqualitativ und zusätzlich humorvoll weiter.
      "Petite Mort", entstanden 1991 für die Salzburger Festspiele, präsentiert den
      sehr eleganten Umgang mit der Fechtklinge, begleitet von Mozart-Melodien.
      Sechs Frauen und Männer verdeutlichen den glücklichen Moment, auf den
      immer auch die Endlichkeit des Lebens folgt. Schön sind auch die rollenden
      Schneiderpuppen die das Wechselspiel zwischen Mann und Frau bereichern.
      Als Petite Mort bezeichnet man übrigens symbolisch den Orgasmus des
      Mannes. Ebenfalls zu Mozarts Tönen ist der Filmausschnitt aus "Birth-Day"
      sehr humorvoll anzusehen. Er behandelt wieder unseren Lebenszyklus, jedes
      Jahr ein Jahr älter. Mit dieser aufgeheiterten Stimmung im Saal kann man
      anschließend die "Sechs Tänze" als Abschlussstück erleben. Wieder dient
      Mozart als musikalische Vorlage und erneut muss man schmunzeln.

      Die tänzerische Klasse gepaart mit Jirí Kyliáns Kreativität ist wirklich sehr
      sehenswert. Das Premierenpublikum spendete einen langen Applaus und
      stehende Ovationen.

      Datum: 23. April 2016

      www.aalto-ballett-theater.de