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      Das Ballett Dortmund präsentiert eine außerordentlich gelungene Choreografie
      des Klassikers "Alice", erschaffen von Mauro Bigonzetti, einem der kreativsten
      Ballettkünstler der Szene. Am Ende wurden alle Beteiligten als Dank vom
      Publikum mit stehenden Ovationen und langem Beifall überschüttet.

      Der Stoff ist als Grundlage schon eine Traumwelt, in der sich die Tänzer
      bewegen. "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" von Lewis
      Caroll sind das kombinierte Thema. Was man zu sehen bekommt, das setzt
      dem Ganzen traumwandlerisch noch einiges drauf. Zunächst muss man seine
      Augen und Ohren ein paar Minuten fokussieren. Schnell merkt man aber, wie
      besonders diese Choreografie werden wird. Man taucht in einen überwältigenden
      Kosmos ein, der mit einem kaum erkennbaren Bühnenbild auskommt. Dafür
      sorgen großartige Projektionen von Carlo Cerri für die passende Stimmung auf
      der Bühne. Man wird optisch in historische Prachtbauten, ein Labyrinth oder
      Unterwasserwelten entführt. Dabei rauben die Projektionen niemals den tänzer-
      ischen Darbietungen ihre Aufmerksamkeit. Sie begleiten die Aufführung, ebenso
      wie das sehr stimmungsvolle Licht.

      Wie soll man so einen solch außergewöhnlichen und wunderbaren Tanzstil nur
      beschreiben? Es wirkt sehr avantgardistisch, enorm kreativ, körperlich extrem
      anstrengend, sehr gekonnt und niemals zu schräg. Nicht selten werden den
      Beteiligten extrem schnelle Bewegungen und Schritte abverlangt. Es ist ein sehr
      freier und moderner Ausdruckstanz, als Ballett präsentiert. Die Fantasie darf
      sich in Person von Ida Anneli Kallanvaara (kleine Alice), Anna Süheyla Harms
      (große Alice), Sae Tamura, Denise Chiarioni, Giuseppe Ragona, Michael
      Samuel Blaško und vielen anderen sehr guten Tänzerinnen und Tänzern positiv
      als Solo, Pas de Deux oder in der Gruppe austoben.

      Eine weitere sehr feine und wichtige Note der Choreografie ist die Live-Musik.
      Nichts kommt vom Band. Antongiulio Galeandro, ASSURD und Enza Pagliara
      prägen das Ballett mit ihrer folkloristischen Note. Es sind Volkstänze sowie
      Volks- und Kinderlieder aus ihrer süditalienischen Heimat. Sie haben sie neu
      interpretiert und mit neuen Texten versehen, immer in Bezug zum Thema des
      Abends. Man hört Dialekte aus Italiens Süden, spanische oder französische
      Texte voller Melancholie, Temperament oder Lebensfreude. Ob extrem rhyth-
      misch, wie auf einem Dorffest, oder ganz fein und leise, ihre Musik ist fantas-
      tisch für dieses Ballett. Besonders das Akkordeon ist beinahe schon das halbe
      Eintrittsgeld wert, ganz gefühlvoll und beeindruckend dargeboten von Antongiulio
      Galeandro. Wenn dann auch noch eine Harfe oder eine ebenso leise gespielte
      Querflöte erklingt, dann ist man hin und weg. Als wiederkehrende Elemente
      erklingen eine kleine Spieluhr mit Kurbel und ein Taktgeber einer Uhr. Diese
      extrem kreative und feine Begleitmusik ist so außergewöhnlich und gelungen wie
      die gesamte Choreografie.

      "Alice" (italienisch ausgesprochen) ist im Ballett Dortmund ein sehr eindrucks-
      volles, verzauberndes Gesamtkunstwerk mit einem wundervollen Zusammenspiel
      zwischen Tanz, Kostümen, Musik, Licht und Bühnenbild. Die getanzten Bilder
      vergisst man so schnell nicht. Mauro Bigonzetti hat viel gewagt und auf ganzer
      Linie gewonnen. Die Erstaufführung gab es 2014 in Stuttgart zu erleben.

      Die Kostümbildnerin und Künstlerin Helena de Medeiros präsentiert im Foyer
      des Opernhauses ihre ansprechenden Gemälde. Sie kann nicht nur wundervolle
      Kostüme entwerfen.

      Datum: 10. Februar 2018, Premiere, Opernhaus Dortmund

      www.theaterdo.de