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      Mit der Ausstellung ""Ai Weiwei" präsentiert die Kunstsammlung NRW in
      Düsseldorf hervorragende Arbeiten des bekanntesten chinesischen Künstlers.
      Im K20 und K21 beschäftigt sich Ai Weiwei mit Themen wie Migration,
      staatliche Überwachung oder den gesellschaftlichen Entwicklungen dieser
      Welt.

      Es ist höchst beeindruckend, wie Ai Weiwei das globale Geschehen
      künstlerisch umsetzt. Schon wenn man die Ausstellung im K21 betritt, ist
      man beeindruckt. Man sieht gebrauchte Textilien auf Kleiderständern,
      sortiert nach verschiedenen Bereichen. Sie stammt von Flüchtlingen im
      Übergangslager Idomenei. Bei der Räumung blieben sie zurück. Ai Weiwei
      hat sie aufgesammelt, aufbereitet und gereinigt. Sie sind ein Mahnmal für
      den manchmal menschenunwürdigen Umgang mit flüchtenden Menschen in
      unserer Zeit. An den Wänden befinden sich zahlreiche Fotos vom Leben aus
      dem Lager und auf dem Boden Schlagzeilen zum Thema Flucht. Einen Raum
      weiter hat der Künstler die 17 m lange Skulptur eines Flüchtlingsbootes aus
      Bambus ausgestellt. 110 Personen hätten auf einem solchen Schlauchboot
      im Original Platz. Man selbst möchte mit seinem Boot nicht auf hoher See
      unterwegs sein, wenn man es betrachtet. Seitlich befinden sich neue
      Porzellanarbeiten im traditionellen Stil, die allerdings Flüchtlingsmotive
      zeigen. Ai Weiwei zeigt außerdem in einer Serie fotografisch weltweiten
      Staaten den Mittelfinger, die in der Flüchtlingspolitik keine gute Figur
      machen. Eindrucksvolle Videoarbeiten vervollständigen das Thema.

      Als Verfolgter seines eigenen Staates kennt Ai Weiwei die negativen Seiten
      eines kritisch denkenden Menschen sehr gut. Er war inhaftiert oder bekam
      Hausarrest. Seine Verfolger konnten sich allerdings gar nicht gut genug
      tarnen, um nicht doch aufzufallen. Er sprach sie an und fotografierte sie. Die
      peinlichen Reaktionen sind klasse dokumentiert. Man entdeckt auch kleine
      Exponate mit großer Wirkung. Dazu gehören z.B. die Abhörwanzen in
      seinem Atelier in China, die bei der Renovierung gefunden wurden. Der
      chinesische Staat hat sich zum Ziel gesetzt alles zu überwachen. Sogar die
      Drehkurbeln der Taxifenster wurden abmontiert, damit man keine Flugblätter
      aus dem Fenster werfen konnte. Er hat die Kurbeln aus Glas nachgebildet.
      Seine Haft hat er in räumlichen Nachbildungen seiner Zelle eindrucksvoll
      dokumentiert. Die Bewacher waren immer bei ihm, egal ob er schlief, das
      WC aufsuchte, duschte oder eine Mahlzeit einnahm. Für beide Seiten waren
      das keine schönen Momente. So verfolgt China seine kritischen Geister.

      Das K20 zeigt monumental große Arbeiten von Ai Weiwei. Auf 650 qm
      Bodenfläche liegen 60 Mio. Sonnenblumenkerne. Sie wurden einzeln ange-
      fertigt, gebrannt und von Hand bemalt. Thematisch wird hier das Verhältnis
      Masse zu Individuum angesprochen. Ein Film dokumentiert die Herstellung.
      An den Wänden befinden sich, aus Legosteinen gestaltet, die chinesischen
      Tierkreiszeichen vor Repräsentationsbauten diverser Länder. Der zweite
      Raum präsentiert 142 Holzkisten mit Baustahl darin. Er stammt aus Schul-
      gebäuden, die beim Erdbeben 2008 in der Provinz Sichuan einstürzten.
      Schlamperei und Korruption waren Schuld an den tödlichen Baumängeln.
      Über 5.000 Schulkinder kamen dabei ums Leben. Da der Staat die Katas-
      trophe gerne verharmlosen wollte, identifizierten Ai Weiwei und sein Team
      alle Opfer. Den verstorbenen Kindern hat er auf langen Listen die Ehre
      erweisen. Den Baustahl aus den Trümmern hat er mühevoll in China wieder
      gerade biegen lassen, insgesamt 164 Tonnen.

      Es ist eine eindrucksvolle Ausstellung, für die man sich viel Zeit nehmen
      sollte.

      Laufzeit: 18. Mai bis 1. September 2019

      www.kunstsammlung.de