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      Mit "Abschiedsdinner" präsentiert das Theater im Rathaus ein tolles Stück,
      das reale Gesellschaftszustände mit komödiantischen Elementen kombiniert.
      Es geht um Freundschaft und wie man damit umgeht. Es spielen Martin
      Semmelrogge, Mariella Ahrens und Marko Pustisek. Regie führte Jochen
      Busse.

      Wer kennt das nicht. Man hat alte Freunde, die man aber kaum noch sieht
      oder anruft. Zum Geburtstag mal ein "Alles Gute" und man hat seine Pflicht
      getan. Kommunikation findet kaum noch statt. So ist es auch bei Pierre und
      seiner Frau Clote. Sein langjähriger Freund Antoine ist eigentlich keiner
      mehr. Man hat sein Leben gelebt und sich verändert. Pierre und Clote leben
      im gehobenen, bürgerlichen Milieu, haben es zumindest optisch zu etwas
      gebracht. Ihre Möbel stammen nicht aus dem Discounter, Bücher zieren
      das Regal und die zwei Kinder sind gut behütet, inklusive der unpassenden
      Lesetipps des sehr bildungsbedachten Vaters. Es ist schon auf den ersten
      Blick mehr Schein als Sein. Auch wenn der scheinbare Wohlstand sie
      zusammenhält, so ganz einig ist man sich nicht. Liebe sieht anders aus.

      Da ist Antoine aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Als Mitarbeiter
      der Uni hinterfragt er sich ständig selbst. Die persönliche Optik ist ihm
      einerlei und sozial ist er auf jeden Fall eingestellt. So tauscht er seinen
      Mantel mit dem eines Obdachlosen und schenkt ihm obendrein eine
      Flasche Wein. Seine Frau Bea spielt Theater, ist eher basisintelektuell
      gestimmt. Eine wohl formulierte und gestelzte Sprache ist ihm absolut fern.
      Er hört erst zu, beobachtet und sagt es den Leuten dann geschickt, clever
      und konsequent ins Gesicht.

      So ist Antoine das erste Opfer eines Abschiedsdinners, bei dem man einen
      alten Freund würdig für immer verabschiedet. Es wird der Wein aus seinem
      Geburtsjahr gewählt und alte Geschenke noch einmal angezogen oder
      hingestellt. Dann wird edel das Lieblingsgereicht des Gastes serviert und
      freundlich Tschüss gesagt. Antoine jedoch ist schlau und erkennt das
      Spielchen ganz schnell. Er spielt mit und dreht den Spieß sehr geschickt
      um. Seine Erfahrungen aus zahlreichen Therapiesitzungen bei einem
      Psychologen bringen ihn in die Lage, Pierre zur Verzweiflung zu bringen.
      Pierre, der behauptet alles zu können und schlauer zu sein, steht plötzlich
      vor der Tatsache, verlassen zu werden. Das schmerzt ihn dann doch. Er
      erkennt, dass er sich selbst nicht einmal kennt. Antoine führt ihn vor und
      macht ihn zeitweise absolut lächerlich.

      Das Stück ist praktisch wie eine schiefe Waage konzipiert, die mittendrin
      kippt und am Ende wieder gerade ist. Die gegenseitigen Beziehungen
      zueinander entwickeln sich höchst spannend. Die Rolle des Antoine ist wie
      gemacht für Martin Semmelrogge. Auch Mariella Ahrens und Marko Pustisek
      sind sehr gute Besetzungen. Was gut durchkommt ist das oft gehetzte
      Leben, das nur wenig Zeit für Privates zulässt. Wie viel Zeit habe ich für
      Freunde? Alles was durch das Schwarz-Weiß-Raster fällt, das wird abge-
      stoßen, das stört nur und raubt Zeit. Toll inszeniert und dargeboten.

      Laufzeit: 24. Oktober bis 24. November 2019

      theater-im-rathaus.de