abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Will man den Geheimnissen der Speicherstadt und der Hafen City auf den Grund
      gehen, so ist man bei Susan Prahl von der Firma Rosinenfischer goldrichtig. Sie
      bietet verschiedene Touren an, darunter auch den „Sinnes-Streifzug“. Historisch,
      aktuell und auch hier und kritisch bekommt man viele spannende Dinge zu
      Gehör.

      Los geht es in der alten Speicherstadt. Zunächst fällt der Blick auf den Kirch-
      turm von St. Katharinen. Er ist mit einem goldenen Schal verziert. Das Gold soll
      dem alten Störtebeker gehört haben. Auf seinem Hinrichtungsplatz soll heute
      die Elbphilharmonie stehen. Hamburg lebt von seine Mythen. Früher wurden hier
      Kaffee, Tee, Kakao oder Gewürze ab dem ersten Boden gelagert, ehe die
      Teppichhändler später als Nachfolger einzogen. Gewürze wurden allumfassend
      als Pfeffer bezeichnet und die oft windigen Quartiersleute wenig charmant als
      „Pfeffersäcke“ tituliert. Rivalisierende Kaffeehändler sollen sogar die Preise
      abgesprochen haben, durch das Verrücken der Topfblumen an den gegenüber
      liegenden Fenstern. Tchibo hat noch immer eine Teströsterei ganz unscheinbar
      in der Speicherstadt. Ansonsten tummeln sich hier viele Agenturen, Kultur-
      einrichtungen oder andere Nutzungen. Man findet übrigens nur einen Innenhof.

      Zum Welterbe ernannt, bereitet die Speicherstadt allerdings auch Probleme. Die
      Nutzung der oberen Etagen ist schwierig. Der Brandschutz stellt hohe Anforder-
      ungen und der Geruch der früheren Waren ist aus den Wänden kaum heraus zu
      bekommen. So wird die einzige bekannte Wohnung in der Speicherstadt seit
      längerer Zeit vergeblich angepriesen, zu abnormen Konditionen. Wohnen ist
      ansonsten offiziell nicht erlaubt. Ein großes, aber verschwiegenes Problem, sind
      die drei Millionen Holzstämme, auf denen die gesamte Speicherstadt erbaut
      wurde. Es sind Eichen und Buchen aus dem Gebiet um Eckernvoerde. Durch
      die Hafenvertiefung hat sich nicht nur die Strömung im Hafen beschleunigt, auch
      der Tidehub ist von einst 1,80 m auf 3,60 m angestiegen. Dadurch liegen die
      Stämme heute zum Teil frei in der Luft, ziehen Sauerstoff und sind der ideale
      Nährboden für einen Pilz, der sich mittlerweile festgesetzt hat. Eine Lösung ist
      noch nicht in Sicht. Man verdrängt das Problem in Hamburg sehr erfolgreich. Es
      ist kaum bekannt.

      Als Vater der Hafen City gilt der ehemalige regierende Bürgermeister Henning
      Voscherau. Nach dem Vorbild der Docklands in London sollte dieses neue
      Siedlungsgebiet im Hafen entstehen. Alles wurde geheim gehalten, um günstig
      Grundstücke aufzukaufen Nach Bekanntwerden der Pläne stellte man fest, dass
      man eins übersehen hatte, eine teure Panne. Bis die Hafen City komplett
      bebaut ist, werden noch knapp zehn Jahre vergehen. Dann ist die City von
      Hamburg um 40% gewachsen. Es siedeln sich jedenfalls immer mehr Firmen
      an. Die U-Bahn-Station der U4 ist zeitweise schon zu knapp konzipiert. Das
      Konzept „Wohnen und Arbeiten“ geht dabei noch nicht so richtig auf. Die
      Wohnungen bewohnen eher kinderlose Reiche, die sich Mieten von 16,- pro qm
      leisten können. Im Block der Genossenschaft zahlt man immerhin noch ca.
      9,- Euro pro qm, falls man lange genug auf der Warteliste stand. Ansonsten sind
      Immobilien hier eher hochpreisig, wie auch im Marco-Polo-Tower. Wer ganz
      oben das 350 qm große Penthouse bewohnt, das wissen selbst ausgewiesene
      Experten nicht. Paparazzi-Fotos zeigen einen älteren, sehr korpulenten Herrn
      (Ü65), klischeehaft mit einer jungen Blondine an seiner Seite. Die stinkigen
      Abgase der nebenan vor Anker liegenden Kreuzfahrschiffe werden den tollen
      Blick von der Dachterrasse sicherlich trüben.

      Was Hochwasser betrifft, so ist die Hafen City clever konzipiert. Alle Straßen
      liegen hoch, alle Plätze tiefer und die Tiefgaragen absolut trocken. Alle Wohn-
      ungen und Büros sind sicher vor Hochwasser. Ein besonderer Bau ist die neue
      Elbphilharmonie. Schick sieht sie ja aus und teuer ist sie auch. Der 2.200
      Besucher fassende große Konzertsaal hat Weltniveau. Wenn sie 2017 in Betrieb
      geht werden Probleme aber unvermeidlich sein. Das integrierte Parkhaus
      umfasst lediglich 250 Stellplätze, die bereits durch Musiker und sonstiges
      Personal nahezu belegt werden. Für Autos gibt es lediglich eine Zufahrtsstraße
      über eine oft defekte Klappbrücke mit ganzen drei Taxiplätzen vor dem Haus.
      Eine zweite Zufahrt haben empfindliche Anwohner erfolgreich verhindert. Die
      U-Bahn ist jetzt schon teilweise überlastet. Man wird sehen, wie sich der Trans-
      port der Besucherströme bewältigen lässt. Vielleicht mietet man sich gleich in
      integrierten Hotel ein, zwischen 220 und 1.000 Euro pro Nacht. Alternativ
      könnte man auch ein Appartement in der Elbphilharmonie kaufen, falls man
      kolportierte 36.000 Euro pro qm übrig hat. Die Tickets für Konzerte bekommt
      man jedenfalls schon ab 17,- Euro, wahre Schnäppchen.

      Bei den Rosinenfischern geht man nach einer Führung richtig schlau nach
      Hause und bekommt hier und da die Sinne für die damals eingelagerten Waren
      der Speicherstadt genussvoll geschärft.

      Datum: 10. August 2016

      rosinenfischer.de

      zurück zu den Hamburg-Tipps