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      Das museale Herz des deutschen Fußballs schlägt in Dortmund. 140 Jahre
      interessante Fußballgeschichte zeigt das Deutsche Fußballmuseum in
      Dortmund multimedial auf drei Ebenen mit insgesamt 25 Stunden Filmmaterial.

      Direkt am Hauptbahnhof befindet sich das Haus. Schon der erste Raum ist
      ein Höhepunkt der DFB-Geschichte, der WM-Titel von 1954 mit dem origi-
      nalen Ball des Finals und alles rund um die Helden von Bern. Filmisch wird
      das Finale in Ausschnitten auf einem TV-Gerät der damaligen Zeit gezeigt.
      Diese Epoche ist gefühlt meilenweit entfernt von dem was sich daran in den
      nächsten Jahrzehnten anschloss. Die Geschichte des DFB, 1900 in Leipzig
      gegründet, und die Sternstunden der Nationalmannschaft lassen die Entwick-
      lung des Fußballs in vielen Aspekten erkennen. Wann durften die Frauen
      ran? Ihre gewonnenen Pokale sind im Museum jedenfalls zahlreicher als die
      der Herren. Nachdenkliches gibt es ebenfalls wie das Kondolenzbuch für
      Robert Enke oder Infos zum Schicksal jüdischer Spieler und Vereine im
      Dritten Reich. Die dunklen Seiten der Fußballgeschichte werden nicht
      ausgelassen.

      Der letzte WM-Triumph der Herren von 2014 wird selbstverständlich glorreich
      gewürdigt, multimedial und unübersehbar mit einem ganzen Raum. Ob die
      Schuhe von Andreas Brehme von 1990 und Mario Götze von 2014, oder die
      Trikots sowie persönliche Aufzeichnungen beteiligter Fußballhelden, so
      werden die WM-Turniere erlebbar gemacht. In einem 3D-Kino fasst man die
      Höhepunkte der Nationalmannschaft noch einmal begeisternd zusammen.
      Der Negativ-Triumph der WM 2018 in Russland soll wohl auch noch thema-
      tisch eingearbeitet werden, dann aber wohl eher mit wenig begeisternden
      Mollklängen.

      Die mittlere Ebene wird zunächst wieder den Titelgewinnen gewidmet. In der
      Schatzkammer befinden sich u. a. die vier WM-Pokale als Zweitkopien. Man
      würdigt die Macher, also die Trainerlegenden wie Rehhagel, Merkel, Zebec,
      Lattek, Feldkamp oder Happel, ehe man zur Vorgeschichte der Bundesliga
      übergeht. Es gab erste Flutlichtspiele und in Hamburg war Altona 93 der
      Platzhirsch. Turn- und Fußballabteilungen arbeiteten oft noch eng zusam-
      men. Im Zweiten Weltkrieg gab es Partien aus zusammen gewürfelten
      Mannschaften. Es ist noch gar nicht so lange her, dass der Spitzenfußball
      tief verwurzelt in der Gesellschaft war. Von Millionensummen oder Ultras
      war noch lange keine Rede. Das setzt sich im nächsten Raum fort.
      Die Bundesliga mit all ihren Dekaden wird ausführlich vorgestellt. Spannend,
      wie sich alles sehr verändert hat. Günter Netzer wechselte 1973 als Welt-
      star für nur 720.000 DM Ablöse von Gladbach nach Madrid. Die glorreiche
      Zeit des HSV Anfang der 80er wird ebenso dokumentiert wie die Geschichte
      des DFB-Pokals. So mancher Underdog hat einem Großen mal ein Bein
      gestellt. Filmisch geht es um die Helden, die sportlichen Tragödien oder
      die großen Momente.

      Manches Stadion hat öfter mal seinen Namen gewechselt. Einige im
      Museum dargestellten Sponsorennamen diverser Arenen klingen heute
      einfach nur schräg. Entsprechend dazu hat sich die Fanszene nicht nur
      positiv entwickelt. Kritische Themen werden angerissen, sind allerdings noch
      ausbaufähig. Ganz am Ende kann selbst gegen den Ball treten und den
      Bus der Nationalmannschaft erklimmen, der in der Qualifikation zur WM
      2014 im Einsatz war. Damals prangte auf den Tischen im Bus noch sympa-
      thisch der Schriftzug "Die Nationalmannschaft". Heute verkauft man sich
      sehr arrogant als "Die Mannschaft". Kleine Details machen den Unterschied
      aus. Das Schicksal des Busses als Ausstellungsstück ist allerdings offen,
      da Volkswagen 2019 das DFB-Sponsering von Mercedes übernimmt. Der
      DFB ist eine der wichtigen Säulen, die das Museum finanziell tragen.

      Immer wieder widmet man sich in diversen Sonderausstellungen besonderen
      Dingen. Sepp Herberger, Wembley, kindlichen Emotionen im Fußball oder
      der Zusammenhang zwischen Bergbau und Fußball im Pott waren bisherige
      Themen. Regelmäßig finden im Deutschen Fußballmuseum Gesprächs-
      runden statt. Hier sollen auch Themen wie Hooligans und Gewalt zur Sprache
      kommen. Frank Goosen ist mit seinem guten Humor auch immer wieder
      gerne da. Generell bemüht man sich die Dauerausstellung möglichst aktuell
      zu halten.

      Insgesamt ist das Deutsche Fußballmuseum sehr sehenswert. Der Rund-
      gang ist gut strukturiert und überrascht mit vielen kleinen Geschichten und
      Anekdoten, neben den multimedial groß inszenierten Höhepunkten. Es
      lohnt sich genauer hinzusehen. Mitmachen ist natürlich auch erwünscht, ob
      bei Quizrunden oder live als Hobby-Fußballreporter.

      www.fussballmuseum.de